Thursday, 12 September 2013

Bundestrainer Löw: "Wir haben die Abwehr nie vergessen"

Summary of Press Conference, 4 September 2013

Zwei Tage vor dem WM-Qualifikationsspiel in München gegen Österreich am Freitag (ab 20.45 Uhr, live im ZDF) spricht Bundestrainer Joachim Löw über den Gegner, nötige Verbesserungen und die perfekte Balance.

Außerdem bewertet er den Transfer von Mesut Özil zum FC Arsenal und das anstehende 100. Länderspiel von Kapitän Philipp Lahm. DFB.de fasst die wichtigsten Aussagen des Bundestrainers zusammen.

JOACHIM LÖW ÜBER...

...über den Vereinswechsel von Mesut Özil: Ich denke, Mesut ist ein sensibler Spieler, der viel Vertrauen im Klub und vom Trainer braucht. Was ich zuletzt vernommen habe, war das Vertrauen zuletzt nicht mehr zu 100 Prozent vorhanden. Arsène Wenger und der FC Arsenal haben sich wahnsinnig um ihn bemüht, das hat ihm gutgetan. Der Wechsel ist für uns gut, denn er geht zu einem Topverein, mit einer Mannschaft, die fußballerisch auf einem sehr hohen Niveau spielt. Für mich war es ein wenig unverständlich, dass Real seinen Topvorbereiter abgibt, aber so ist das Geschäft.

...über die Vorbereitung auf das Österreich-Spiel: Ich bin froh, dass die Nationalmannschaft seit Monaten mal wieder länger zusammen ist. Das gibt mir die Möglichkeit, mit den Spielern mehr und detaillierter zu kommunizieren. Vorher war das sonst ein wenig auf der Strecke geblieben, weil man sich nur ein, zwei Tage vor dem Spiel gesehen hat.

...über Gegner Österreich: Österreich hat immer noch die große Chance, als Gruppenzweiter und über die Play-offs die WM zu erreichen. Das ist das große Ziel. Sie sind hoch motiviert und taktisch unter Marcel Koller sehr gereift. Sie spielen ein gutes Pressing und haben ein gutes Umschaltspiel. Sie werden mutig und angriffslustig in das Duell gehen. Wir haben aber auch nichts zu verschenken, sondern die Chance, den Zweiten der Gruppe weiter zu distanzieren. Niemand wird den Gegner unterschätzen.

...über die Balance zwischen Defensive und Offensive: Es ist klar, dass unsere Defensivleistung ein Thema ist, dass wir gegen Paraguay nicht kompakt genug waren. Immer wenn wir nicht kompakt genug waren, haben wir schlecht gespielt - waren wir kompakt, haben wir eigentlich immer gut gespielt und gewonnen. Wir haben deshalb elementare Dinge mit den einzelnen Mannschaftsteilen besprochen und versucht, sie auf dem Trainingsplatz umzusetzen. Wichtig ist mir: Wir haben die Abwehr nie vergessen, aber nur wer agiert, auch in der Defensive, kann das Spiel bestimmen. Ich bin nicht bereit, nur noch auf Konter zu spielen, weil die ganze Mannschaft offensiv verteidigen muss. Die Stürmer müssen vorne beginnen zu attackieren und die richtigen Wege zu machen. Es gilt auch, den Gegner schon im Spielaufbau zu stören. Gegen Paraguay sind wir mehr gelaufen als zum Beispiel gegen Frankreich, hatten dort aber eine viel größere Intensität, weil wir kurze Wege gemacht haben. Es hängt insgesamt viel mit der Kompaktheit der Mannschaft zusammen.

...über die Abwehr: Einfache, individuelle Fehler wie gegen Paraguay müssen wir vermeiden, das haben wir angesprochen. Ich bin mir aber sicher, dass das am Freitag besser klappt. Die Mannschaft nimmt unsere Hinweise sehr gut an und ist sehr aufnahmefähig.

...zur personellen Situation: Sven Bender und Sami Khedira konnten heute wieder voll trainieren. Ich gehe davon aus, dass Khedira auf jeden Fall spielen kann. Lars Bender hat am Wochenende einen Schlag auf die Hüfte bekommen und musste heute pausieren. Es ist noch fraglich, ob man ihn rechtzeitig wieder hinbekommt.

...über Philipp Lahm, der vor dem 100. Länderspiel steht: Ich habe ihn in den letzten zehn Jahren begleitet. Er ist ein absolutes Vorbild an Seriösität, Einsatzbereitschaft und fußballerischer Klasse - egal, auf welcher Position er zum Einsatz gekommen ist. Er ist ein Spieler von Weltklasseformat, ist auch persönlich gereift und vertritt seine eigene Meinung. Dass er nun in seinem Wohnzimmer sein 100. Länderspiel machen kann, ist klasse. Er wird noch viele wichtige Spiele für die Nationalmannschaft bestreiten, denn er hat seinen Zenit noch lange nicht überschritten.

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Joachim Löw: "Überragend gut gemacht", 07.09.2013

Die deutsche Nationalmannschaft hat Wortgehalten. Beim 3:0 gegen Österreich stand die DFB-Elf kompakt und am Ende sogar die Null. Bundestrainer Joachim Löw äußert sich im Interview zur Defensivleistung, seiner Personalentscheidung in der Abwehr und Miroslav Klose.

Frage: Herr Löw, wie wichtig war nicht nur der Sieg, sondern auch die Tatsache, dass nach den vielen Diskussionen die Null stand?

Joachim Löw: Das ist erfreulich, aber letztendlich zählt der Sieg. Wir waren ein paar Tage zusammen, haben an verschiedenen Dingen gearbeitet, haben auch über manche Dinge gesprochen. Wir wollten zeigen, dass der Gegner nicht das Gefühl hat, er ist auf Augenhöhe mit uns. Wir wollten bestimmen, wie der Gegner spielt. Wir wollten unser eigenes Spiel machen. Die Jungs haben das überragend gut gemacht. Wir waren der hochverdiente Sieger.

Frage: War die Defensivleistung wieder so, wie Sie sich das vorstellen?

Löw: Es gab immer Phasen, wo wir das besser hätten lösen können. Letztendlich war aber die Intensität, mit der wir den Gegner attackiert haben, wesentlich höher als in den letzten Spielen. Wir haben früh gestört und Österreich damit so ein bisschen den Zahn gezogen. Sie waren gezwungen, lange Bälle zu spielen, die wir ohne Probleme mit unserer Innenverteidigung abgefangen haben. Die Intensität, mit der die vorderen Spieler gearbeitet haben und den Gegner unter Druck gesetzt haben, war schon gut.

Frage: Was muss noch besser werden?

Löw: Das ist ein ständiger Prozess. Es gibt immer Dinge, an denen man als Trainer erkennt, dass es nicht 100 Prozent funktioniert. Aber wenn wir uns intensiv damit beschäftigen, klappen die Dinge. Man kann nicht immer verhindern, dass der Gegner Torchancen hat. Aber am Ende liegt es immer an der ganzen Mannschaft. Am Ende müssen elf Spieler auf dem Platz umschalten, müssen defensiv arbeiten mit der höchstmöglichen Intensität - und die war bei weitem besser als gegen Paraguay. Was den Kopf betrifft, diese Defensivarbeit zu leisten, war das schon sehr gut.

Frage: Miroslav Klose hat den Torrekord von Gerd Müller eingestellt. Wie wichtig ist es, dass das Thema endlich durch ist?

Löw: Die letzten Spiele ist immer darüber diskutiert worden. Das ist für ihn wahnsinnig erfreulich. Es ist gut, dass das Thema nicht mehr ständig vor den Spielen aufkommt. Ich freue mich für ihn, das Tor hat die Gegenwehr von Österreich etwas gebrochen.

Frage: Klose ist bereits 35. Was ist sein Geheimnis?

Löw: Das Geheimnis ist ganz einfach seine Professionalität, sein Kopf, sein Wille auf diesem hohen Niveau zu bleiben, nicht nachzulassen. Wenn er seine körperliche Fitness hat, ist Miro immer in jedem Spiel für Tore gut, für klasse Laufwege, für gute Kombinationen. Er ist ein außergewöhnlicher Stürmer. In dieser Form ist Miro für die Mannschaft wahnsinnig wichtig.

Frage: Sie haben sich in der Innenverteidigung für Jerome Boateng und Per Mertesacker entschieden, Mats Hummels musste auf die Bank. Warum haben Sie sich so entschieden?

Löw: Mats Hummels ist ein sehr guter Innenverteidiger. Ich habe ihn in den letzten Spielen bei Dortmund gesehen. Vielleicht hat er noch nicht die Sicherheit. Jerome Boateng hat aufgrund seiner Spiele bei Bayern diese Chance verdient.

Frage: Haben Sie überhaupt noch Zweifel am Gruppensieg?

Löw: Das ist immer klar unser Ziel gewesen, dass wir die Gruppe gewinnen. Wir haben fünf Punkte Vorsprung. Die Schweden haben gewonnen und auch noch das direkte Duell gegen uns. Wenn wir unsere Dinge so erledigen wie gegen Österreich, dass wir auf den Färöern und gegen Irland gewinnen, denke ich, dass wir das schaffen.

7 September 2013
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Schürrle oder Draxler: Wer ersetzt Reus in Tórshavn?,

Summary of Press Conference, 9 September 2013

Vor dem WM-Qualifikationsspiel gegen die Färöer heute (ab 20.45 Uhr, live in der ARD) in Tórshavn spricht Bundestrainer Joachim Löw über den Gastgeber, die Veränderungen in der Aufstellung durch den Ausfall von Marco Reus und Führungsspieler Per Mertesacker.

JOACHIM LÖW ÜBER...

... den Gastgeber: Der erste Eindruck ist, dass es viel Natur gibt. Die Insel macht einen rauen Eindruck. Ich denke, wir haben es auch mit rauen und toughen Spielern zu tun. Für solch ein kleines Land können sie wirklich gut verteidigen und sind gut organisiert. Wir gehen das Spiel absolut seriös an. Zuhause haben die Färöer schon vielen Mannschaften das Leben schwer gemacht. Wichtig ist, die Bedingungen hier anzunehmen. Das Einzige was mich interessiert, ist, dass wir die drei Punkte mitnehmen. Aber die Färöer sind von den kleinen Nationen das Team, was mir am meisten imponiert hat.

... über das Stadion und die Atmosphäre in Tórshavn: Wir haben uns den Rasen angeschaut und ich habe mir Informationen von Horst Hrubesch geholt, der zuletzt mit der U 21 hier war. Die Atmosphäre ist natürlich anders. Hinter einem Tor habe ich Glas gesehen, hinter dem anderen eine Betonwand. Es ist sicherlich ungewohnt ohne Zuschauer hinter den Toren. Ich hoffe, dass wir trotzdem das Tor treffen.

... Änderungen in der Startaufstellung: Minimum gibt es eine Änderungen, weil Marco Reus definitiv ausfällt. Vielleicht werde ich noch die ein oder andere Veränderung vornehmen, aber maximal stelle ich auf drei Positionen um. Miroslav Klose wird auf jeden Fall anfangen. Nach dem Österreich-Spiel war Miro ein wenig müde und ausgelaugt, aber bis auf Reus sind alle vollbelastbar - wir haben personell also keine Probleme.

... die Alternativen für Marco Reus: Es kommen Julian Draxler, André Schürrle und Sidney Sam infrage. Sam spielt eigentlich eher rechts, also fällt die Entscheidung wahrscheinlich zwischen Schürrle und Draxler - ich werde das nach dem Training entscheiden.

... Per Mertesacker: Per spielt schon viele Jahre unter mir. Vergangenes Jahr plagte ihn eine Verletzung, zuvor hat er immer gespielt - vor allem in wichtigen Quali-Spielen hat er seine Aufgabe souverän und konzentriert gemeistert. Er ist der extrovertierteste Spieler in der Abwehr. Er gibt Impulse und ist ein Spieler mit Erfahrung, der permanent auf die anderen Spieler schaut und nicht nur auf sich selbst. Das kann Per hervorragend gut.

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Bundestrainer Löw: "Manchmal war es wie beim Handball", 10.09.2013

Die Weltmeisterschaft ist nur noch einen Schritt entfernt: Die deutsche Nationalmannschaft hat mit 3:0 in Tórshavn auf den Färöern gewonnen - ein weiterer Sieg am 11. Oktober (ab 20.45 Uhr, live in der ARD) in Köln gegen Irland genügt schon, um vorzeitig das Ticket für Brasilien 2014 zu lösen. Im Interview spricht Bundestrainer Joachim Löw über das "Muss" auf dem Weg nach Brasilien, Verbesserungen im Spiel, die Innenverteidigung und Sidney Sam.

Frage: Herr Löw, ein 3:0 auf den Färöern. Nur ein 3:0 - oder sind Sie voll zufrieden?

Joachim Löw: Dass es zäh werden würde, war zu erwarten. Insgesamt war es eine absolute Pflichtaufgabe, ein Muss. Unsere Spielanlage auf dem Kunstrasen war absolut in Ordnung. Der Gegner hatte neun bis zehn Spieler im Strafraum, manchmal war es wie beim Handball. Aber wir müssen an unseren finalen Aktionen arbeiten, das habe ich schon in den letzten Spielen gesehen. Da müssen wir zielorientierter werden.

Frage: Sie haben in der Innenverteidigung wie schon gegen Österreich Per Mertesacker und Jerome Boateng aufgeboten. Beide haben wieder überzeugt. Haben Sie damit Ihre Stammabwehr schon gefunden?

Löw: Es war jetzt erst einmal eine Entscheidung für diese beiden Spiele. Sie haben mir in beiden Spielen gut gefallen, vor allem gegen Österreich. Färöer war natürlich nicht so drucksvoll, aber sie haben konzentriert dagegengehalten. Aber ich habe immer gesagt, dass ich Mats Hummels nach wie vor vertraue. Er hat bei der EM 2012 ein gutes Turnier gespielt und kann auf dem Niveau spielen.

Frage: Auch Mario Gomez ist wie ;Mats Hummels in beiden Spielen keine Minute eingesetzt worden. Ist er im Sturm nur noch die Nummer drei hinter Miroslav Klose und Max Kruse?

Löw: Natürlich zähle ich auf Mario, ich weiß, was er kann. Aber gegen Österreich hatte ich das Gefühl, dass es in dieser Phase besser war, wenn Sven Bender kommt und Mesut Özil vorne reingeht. Und diesmal, auf Kunstrasen, wollte ich Max Kruse einmal die Möglichkeit geben, weil er im Training sehr ballsicher und bewegungsfreudig war. Mario hat sich in Florenz gut eingeführt, aber er war lange in der Vorbereitung.

Frage: Wie sehen Sie nun die Konstellation in der Gruppe?

Löw: Wir können im letzten Heimspiel gegen Irland alles klarmachen. Das ist unser Ziel, und ich denke, dass wir das schaffen werden. Dahinter wird noch Spannung herrschen.

Frage: Sie haben kurz vor Schluss Sidney Sam eingewechselt. Mit dem Hintergedanken, dass er damit nun endgültig für Deutschland "festgespielt" ist?

Löw: Nein, das hat keine Rolle gespielt. Er hatte mir schon länger signalisiert, dass er unbedingt für uns spielen will und seine Meinung nicht ändern wird.

10 September 2013
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Thursday, 8 August 2013

Joachim Löw: "Wir sind im Landeanflug auf Brasilien", 08.08.2013

Das bevorstehende Paraguay-Spiel, die anstehende Trainingsarbeit und fehlende Stammspieler: Bundestrainer Joachim Löw sprach eine Woche vor dem Saisonauftakt gegen die Südamerikaner über drängende Themen.

Löw über das Länderspiel gegen Paraguay

Die WM steht vor der Tür. Die letzte Etappe beginnt. Wir gehen mit großer Hoffnung und Vorfreude in die Saison. Für mich ist Paraguay keine Aufwärmübung. Aber mit diesem Spiel beginnt gewissermaßen das Vorglühen auf die WM in Südamerika. Wir sind Erster unserer WM-Qualifikationsgruppe und damit im Landeanflug auf Brasilien. Wir wollen die Gruppe ohne Niederlage überstehen. Am Mittwoch in Kaiserslautern wollen wir uns für die bevorstehenden Aufgaben in der Qualifikation einspielen.

…über die Arbeit mit der Mannschaft

Wir müssen versuchen, unsere Automatismen weiter zu schärfen. Wir hatten nicht in jedem Spiel defensiv die richtige Stabilität. Das ist sicher keine exklusive Aufgabe für die Verteidiger. An der Defensivarbeit müssen sich auch die Angreifer und offensiven Mittelfeldspieler aggressiv beteiligen, denn wir müssen den Gegner schon im Spielaufbau stören und stoppen. Das Verhalten im Ballbesitz, die Raumaufteilung und das schnelle Passspiel - das alles gehört zu unseren großen Stärken. Wenn wir diese Qualitäten im Spiel in die Waagschale werfen, sind wir schwer zu schlagen.

…über das Fehlen von Bastian Schweinsteiger im Paraguay-Aufgebot

Wir haben uns am Mittwoch in München mit Pep Guardiola getroffen und dabei auch über Bastian Schweinsteiger gesprochen. Bastian ist nach seiner Verletzung erst vor zwei Wochen wieder ins Training der Bayern eingestiegen. Jetzt soll er in München bleiben und dort unter der Woche die eine oder andere Einheit mehr mitmachen. Bastian Schweinsteiger wird uns dann bei den Qualifikationsspielen im September im Vollbesitz seiner Kräfte wieder zur Verfügung stehen.

…über das Fehlen von Toni Kroos

Tonis Frau ist hochschwanger, er will bei ihr sein, das respektiere ich absolut. Er wird deshalb beim Spiel gegen Paraguay nicht dabei sein.

…über die WM 2014 in Brasilien

Wir waren während des Confed Cups in Brasilien und konnten in dieser Woche wahnsinnig viele Eindrücke sammeln. Wir können nicht davon ausgehen, dass wir unsere Ideen und Vorstellungen alle umsetzen werden. Eine WM in Brasilien heißt auch Anpassung. Es wird darauf ankommen, dass wir uns in der Situation zurechtfinden, wenn ich etwa an die klimatischen Bedingungen und die Reisestrapazen denke, die wir vor Ort erlebt haben. Brasilien hat sich mit seinen vielen Individualisten als Mannschaft gefunden. Trotz der äußeren Bedingungen waren die Spiele auf hohem Niveau, das Tempo war beachtlich. Eine Entscheidung, wo wir unser WM-Quartier aufschlagen werden, ist noch nicht gefallen. Ich gehe davon aus, dass wir noch einmal vor Ort Trainingsmöglichkeiten und Hotels inspizieren werden. Wir haben eine sehr junge und gleichzeitig sehr turniererfahrene Mannschaft. Wir blicken der WM sehr positiv entgegen und gehen als Mitfavorit in das Turnier. Aber andere Mannschaften haben eine vergleichbare Qualität.

…über die laufende Doping-Debatte

Unsere Nationalspieler werden immer wieder unangemeldet getestet. Oft werden sie um sechs Uhr oder um halb sieben Uhr aus den Betten gescheucht. Ich bin für diese Konsequenz bei den Dopingtests. Dafür stehen wir beim DFB, und dafür stehe ich auch als Trainer, denn wir alle wollen einen fairen und sauberen Fußball.

…über die Möglichkeit, dass Hansi Flick neuer DFB-Sportdirektor wird

Hansi Flick hat absolut diese Qualität. Wir warten jetzt erst mal die Qualifikation ab und nehmen dann die Gespräche wieder auf. Gleichzeitig möchte ich ihn aber auch bis zur WM 2014 in meinem Team behalten. Wenn er sich aber für die Aufgabe als Sportdirektor entscheiden sollte, würde ich ihm keine Steine in den Weg legen. Es ist undenkbar, beide Aufgaben - als Assistenztrainer und Sportdirektor - auszufüllen, denn beide Ämter brauchen die hundertprozentige Aufmerksamkeit.

…über seine eigene Vertragsverlängerung

Wir setzen uns zusammen, wenn wir uns qualifiziert haben. Ich bin seit neun Jahren beim DFB, und es herrscht ein großes Vertrauen, gerade zu Präsident Wolfgang Niersbach. Ginge ich ohne Vertrag ins WM-Turnier, würde das auch kein Störfeuer für die WM bedeuten. Das hat uns 2010 nicht gestört - die Spieler nicht und mich auch nicht.

…über die U 21, die am Dienstag gegen Frankreich spielt

Die U 21-Nationalmannschaft ist ein wichtiger Unterbau für unsere A-Mannschaft. Für die Europameister von 2009 bedeutete der damalige U 21-Titelgewinn einen unglaublichen Sprung in ihrer Entwicklung. Es gibt aber auch Spieler in unserem Team, die zwar heute noch für die U 21 spielen könnten, die aber inzwischen fest zur A-Mannschaft gehören, wie Mario Götze und Ilkay Gündogan. Beide Spieler sind wichtige Bausteine für die WM 2014, aber auch für die kommenden Jahre, und werden deshalb bei der A-Mannschaft bleiben.

8 August 2013
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Joachim Löw: "Bayern und Dortmund sind auf Augenhöhe", 07.08.2013

Das Länderspiel am Mittwoch (ab 20.45 Uhr, live im ZDF) in Kaiserslautern gegen Paraguay, der Start der Bundesliga, deutsche Nationalspieler im Ausland: Im Interview mit dem Sport-Informations-Dienst (SID) äußert sich Bundestrainer Joachim Löw kurz vor dem Saisonstart zu aktuellen Themen des Fußballs.

Frage: Herr Löw, Sie waren am Dienstag Gast der Bundesliga-Jubiläumsgala in Berlin. Was ist persönlich Ihre schönste Erinnerung an 50 Jahre Bundesliga?

Joachim Löw: Mein schönstes Erlebnis war, als ich selbst das erste Mal bei einem Bundesligaspiel mit dem VfB Stuttgart auf dem Platz stand. Ich bin damals zur Saison 1979/1980 zum VfB gewechselt und habe mir vor der Saison das Bein gebrochen - ich musste also sehr lange warten. Aber als ich dann das erste Mal den Rasen betreten habe, da war das etwas ganz, ganz Besonderes für mich als junger Spieler.

Frage: Wir haben vor wenigen Wochen ein deutsches Champions-League-Finale gesehen, die Bundesliga ist obenauf. Wie sehen Sie den Stellenwert der Liga innerhalb Europas?

Löw: Der Stellenwert ist sehr hoch. Wir werden allseits gelobt für Infrastruktur, tolle Stadien, tolle Atmosphäre, viele Zuschauer, Begeisterung und Spielfreude. Gerade in der letzten Saison hat die Bundesliga auch sportlich überzeugt. Dass wir zwei deutsche Teams im Champions-League-Endspiel hatten, wird nun von der ganzen Welt anerkannt. Von daher steht die Bundesliga vor ihrer 51. Saison ganz hervorragend da.

Frage: Aus dieser starken Bundesliga sind im Sommer die Nationalspieler Mario Gomez und André Schürrle ins Ausland gewechselt. Ist auch das Ausdruck der momentanen Stärke und der Anerkennung?

Löw: Ich erinnere mich noch an Phasen als Bundestrainer, da waren nur ein oder zwei unserer Nationalspieler im Ausland aktiv. Und vor 2010 standen deutsche Spieler bei den Topvereinen eigentlich gar nicht mehr auf dem Wunschzettel. Das änderte sich wieder mit der WM 2010, als mit Mesut Özil, Sami Khedira oder auch Thomas Müller, Bastian Schweinsteiger und Manuel Neuer einige Spieler wieder in den Mittelpunkt gerückt sind. Mittlerweile spielen wieder mehr im Ausland, und man sieht natürlich auch, dass Vereine aus Madrid oder London sich immer wieder für deutsche Spieler interessieren. Das spricht für eine gute Bundesliga und natürlich auch eine sehr gute Ausbildung in Deutschland.

Frage: Die Bundesligatrainer rechnen am Saisonende in der Mehrheit mit dem FC Bayern München als Deutschem Meister. Wie sehen Sie die Situation?

Löw: Ganz oben sehe ich aktuell nur die Bayern und Borussia Dortmund nahezu auf Augenhöhe, falls sie keine Verletzungssorgen haben. Dortmund ist mit den ersten elf oder zwölf Spielern fast ebenbürtig - das hat man ja auch zuletzt im Supercup gesehen, als München verloren hat. Die Bayern jedoch sind in der Breite stärker besetzt und können über eine ganze Saison auch mal drei oder vier Spieler einfach ersetzen. Beide Mannschaften sind ohne Zweifel extrem stark. Bei allem Respekt für Teams wie Leverkusen oder Schalke sehe ich für Bayern und Dortmund keine ernsthaften Konkurrenten, wenn es um den Titel geht. Sie werden das unter sich ausmachen, denn qualitativ kommt da keine andere Mannschaft ran.

Frage: Im Sommer gab es einige Diskussionen, dass die deutsche U 21-Nationalmannschaft bei der EM in Israel nicht mit der bestmöglichen Mannschaft angetreten ist. Wird sich diese Situation in den nächsten Jahren verändern?

Löw: Das muss man immer situativ entscheiden, und es hängt letztlich auch von den Belangen der A-Mannschaft ab. Wir hatten ja schon im letzten Jahr gesagt, dass wir 2013 eine Amerikareise machen - und der Zeitpunkt war für uns absolut passend. Und es gibt eben Spieler, die sich in der A-Mannschaft etabliert haben. Ilkay Gündogan zum Beispiel, er ist ganz klar A-Nationalspieler. Genauso wie Mario Götze. Sie sind in der Qualifikation gesetzt und spielen natürlich auch eine Rolle in den Überlegungen in Richtung wichtiger Turniere.

Frage: Sie nominieren am Donnerstag das Aufgebot fürs Länderspiel gegen Paraguay. Wird es Überraschungen geben?

Löw: Nein, wahrscheinlich nicht. Einige waren zuletzt bei der Amerikareise nicht dabei, einige werden zurückkehren.

7 August 2013
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Tuesday, 30 July 2013

Löw: "Eine Lehre für alle Zeiten", 17.10.2013

An interview from 17 October 2012

Im Anschluss an das spektakuläre 4:4 im vierten WM-Qualifikationsspiel gegen Schweden im Olympiastadion Berlin versuchte sich Bundestrainer Joachim Löw in einer ersten Analyse des Geschehenen. DFB.de hat das Pressegespräch aufgezeichnet.

Frage: Joachim Löw, können Sie schon begreifen, was sich beim 4:4 gegen Schweden abgespielt hat?

Joachim Löw: Einen 4:0-Vorsprung aus der Hand zu geben, ist normalerweise nicht möglich. Das ist schwer einzuordnen. Wir haben die große Chance verpasst, in dieser Gruppe eine kleine Vorentscheidung herbeizuführen. Wir haben 60 Minuten überragend gespielt, was die Kombinationen, den Abschluss, die Ordnung, die Disziplin betraf. Die Schweden waren nicht vorhanden, ein Ibrahimovic, ein Elmander nicht zu sehen. In den letzten 30 Minuten haben wir dann unheimlich viel falsch gemacht.

Frage: Können Sie das konkretisieren?

Löw: Wir hatten eine große Unruhe in unserem Spiel, keine Ordnung, nicht mehr die Sicherheit am Ball. Symptomatisch war für mich ein Freistoß zwei Minuten vor Schluss in des Gegners Hälfte. Da spielen wir zwei Pässe und der Ball ist beim Torwart, anstatt dass wir zur Eckfahne laufen. Da ist vieles schief gelaufen, wir haben das Spiel nicht mehr in den Griff bekommen. Woran das lag, muss ich erst mal analysieren, um mich konkret zu äußern. 60 Minuten waren großartig, die letzten 30 Minuten unglaublich schwach. Dass wir uns so aus dem Rhythmus bringen lassen, habe ich nicht erwartet.

Frage: Wie war die Stimmung in der Kabine?

Löw: In der Kabine herrschte Totenstille. Alle lagen auf den Bänken und waren total sprachlos.

Frage: Haben Sie so etwas Ähnliches schon einmal erlebt?

Löw: Wir alle haben so eine Situation noch nicht erlebt. Es war ein ganz, ganz außergewöhnliches Spiel. Wir können daraus aber wahnsinnig viel lernen. Wir müssen daraus lernen, dass man so ein Spiel konsequent zu Ende bringt. Wenn wir konzentriert sind, spielen wir auf einem unglaublich hohen Niveau. Wenn wir nachlassen, dann passieren eben auch solche Dinge. Das soll uns eine Lehre sein, für alle Zeiten, dass man solche Dinge eben mit aller Konsequenz zu Ende bringt.

Frage: Haben sich Ihre Spieler vielleicht zu sicher gefühlt?

Löw: Wahrscheinlich begann das Problem irgendwo im Kopf.

Frage: Glauben Sie, dass die Aufarbeitung noch lange dauern wird?

Löw: Wir sind jetzt wahnsinnig enttäuscht, aber auch das wird uns nicht aus der Bahn werfen. Ich denke nicht, dass da was hängenbleibt. Die Mannschaft ist mit anderen Situationen, mit den Diskussionen im Vorfeld professionell umgegangen und hat sich nicht beeindrucken lassen. Natürlich muss man das analysieren und darüber sprechen. Aber ich denke, dass das ein Lernspiel war und wir die Lehren daraus ziehen und das in Zukunft besser machen.

Frage: Wie haben Sie die Gegentore gesehen?

Löw: Es war nicht die Schuld von einzelnen Spielern, man kann das auch nicht an individuellen Fehlern festmachen. Im gesamten Kollektiv ist nicht mehr so konsequent gearbeitet worden. Wir haben im Mittelfeld und vorne die Bälle verloren, wir haben nicht mehr die Ordnung herstellen können. Und die Defensive hängt immer an der gesamten Mannschaft. Es ist nicht mehr mit dieser Konsequenz nachgegangen worden.

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