Monday, 8 May 2017

Joachim Löw: "Sind sehr zufrieden, dass wir das Spiel hat gewonnen", 05.09.2006

Nach dem 1:0 der deutschen Nationalmannschaft zum Auftakt der EM-Qualifikation gegen Irland zeigte sich Joachim Löw zufrieden mit der Leistung des Teams: "Der Sieg war am Ende hochverdient", freute sich der Bundestrainer im Interview.

Frage: Wie zufrieden sind Sie mit dem Start in die EM-Qualifikation?

Joachim Löw Wir sind sehr zufrieden, dass wir das Spiel gewonnen haben. Ich hatte der Mannschaft vorher gesagt, dass es ein ähnliches Spiel wie bei der WM gegen Polen geben kann und wir möglicherweise etwas länger brauchen, um den Gegner zu knacken. In den ersten Minuten waren wir nicht so gut im Spiel, dann wurde es aber immer besser. Die Abwehr hat die Feuertaufe bestanden. Das war nicht einfach, aber sie hat ihre Aufgabe klasse gelöst. Aufgrund unserer Chancen war der Sieg am Ende aber hochverdient. Manchmal gibt auch eine schwere Geburt ein schönes Kind.

Frage: Ist Ihnen nach Ihrem ersten Pflichtspiel als Bundestrainer denn beim Abpfiff kein Stein vom Herzen gefallen?

Löw: Nein. Natürlich herrschte Erleichterung, denn ein erfolgreicher Start in die Qualifikation war sehr wichtig. Aber ich hatte volles Vertrauen in diese Mannschaft. Ich wusste, dass sie die Klasse hat, dieses Spiel zu gewinnen. Jetzt wollen wir in San Marino nachlegen.

Frage: Mit der Chancenverwertung Ihrer Mannschaft können Sie aber nicht zufrieden sein...

Löw: Grundsätzlich bin ich zufrieden, wenn wir viele Chancen herausspielen, und das haben wir teilweise auf eine sehr gute Art und Weise gemacht. Ich war mir immer sicher, dass wir das Tor noch machen. Deshalb gibt es in dieser Beziehung von mir auch keine Kritik.

Frage: Wie hat Ihnen die neue Innenverteidigung mit dem doppelten Friedrich gefallen?

Löw: Es hat mich persönlich sehr gefreut, dass wir zu Null gespielt haben. Daran hatten Arne und Manuel maßgeblichen Anteil. Sie haben sehr gut harmoniert und ihre Aufgabe sehr gut gelöst. Die Arbeit der vergangenen Tage hat sich ausgezahlt.

Frage: Lukas Podolski sitzt bei den Bayern auf der Bank, für die Nationalelf schießt er wichtige Tore. Wie bewerten Sie seine Leistung?

Löw: Es freut mich für ihn, dass er das Tor erzielt hat. Er hat ein sehr gutes Spiel gemacht, sich viel bewegt und auch schon vor der Pause die ein oder andere gute Chance gehabt. Das wird ihm weiter Auftrieb geben.

Frage: Von Kapitän Michael Ballack war dagegen weniger zu sehen...

Löw: Ich will keine Einzelkritik betreiben. Alle, die auf dem Platz standen, haben von Anfang bis Ende sehr viel investiert. Die Mannschaft hat sich insgesamt diesen Sieg verdient, weil sie gut gestanden und sehr gut gekämpft hat.

5 September 2006
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Wednesday, 5 October 2016

Joachim Löw: "Haben auf allen positionen einen wettbewerb", 14.10.2007

Unmittelbar nach der Qualifikation zur Europameisterschaft 2008 richtet Joachim Löw seinen Blick im aktuellen Interview bereits auf die Titelkämpfe in Österreich und der Schweiz.

Frage: So früh wie diesmal hat sich noch nie eine deutsche Nationalmannschaft für ein großes Turnier qualifiziert. Wie lautet ihre Fazit nach der erfolgreichen EM-Qualifikation?

Joachim Löw: Für uns hat sich heute der Kreis geschlossen. Wir haben gegen Irland das erste Qualifikations-Spiel gewonnen und uns nun gegen Irland für die EM qualifiziert. Kompliment an die Mannschaft, wie sie die Qualifikation durchgezogen hat. Wir haben uns nicht nur frühzeitig qualifiziert, sondern auch eine hervorragende Punkteausbeute und eine tolle Tordifferenz.

Frage: Gegen die Iren mussten Sie aber bis zum Schluss zittern...

Löw: Wir wussten, dass sie aufsässig werden können. Sicherlich haben wir schon bessere Spiele gemacht, aber unter dem Strich bin ich sehr zufrieden. Man hat heute mal gemerkt, dass viele gefehlt haben, zudem Bastian Schweinsteiger früh ausgefallen ist. Kämpferisch und von der Einstellung hat meine Mannschaft alles gegeben. Diese Tugenden waren gegen die Iren gefragt.

Frage: Wie erklären Sie sich, dass Ihre Mannschaft so glatt durch die Qualifikation gekommen ist?

Löw: Wir haben es geschafft, nach der WM die Spannung hochzuhalten und uns immer wieder neue Ziele gesetzt. Das Team hat nie nachgelassen, sich immer wieder neu motiviert und entsprechendes Selbstbewusstsein an den Tag gelegt. Zudem hat die Mannschaft unsere Philosophie weiter verinnerlicht.

Frage: Was bedeutet es für Sie, dass Deutschland bereits vier Spieltage vor Qualifikations-Schluss die Fahrkarte für Österreich und die Schweiz gelöst hat?

Löw: Jetzt haben wir Planungssicherheit, das ist sehr gut. Wir können in aller Ruhe vorausdenken, in den Planungen für das Trainingslager und hinsichtlich weiterer Freundschaftsspiele. Für die Mannschaft ist gut, dass der Druck weg ist und nicht bis zum letzten Spiel der Nervenkitzel da ist, wie es in der Vergangenheit oft genug der Fall war.

Frage: Wie sehr schmerzt Sie die zweite Gelbe Karte für Jens Lehmann, der nun am Mittwoch gegen Tschechien fehlt, und wie bewerten Sie seine Leistung?

Löw: Diese Gelbe Karte kann man in unserer Situation verschmerzen. Es war besser, dass er den Ball so weit vor dem Tor an der Seitenlinie noch einmal festgehalten hat, als dass die Iren durch einen schnell ausgeführten Einwurf zu einer Chance kommen. Ansonsten hat Jens eine tadellose Leistung gezeigt. Es zeichnet ihn ja aus, dass er sich gerade auch in schwierigen Situationen auf den Punkt konzentrieren kann. Er war sowohl in der Strafraumbeherrschung als auch auf der Linie sehr stark, ein guter Rückhalt für uns mit einer sehr guten Ausstrahlung.

Frage: Gegen die Iren fehlte einmal mehr rund ein halbes Dutzend Leistungsträger. Was machen sie, wenn Ballack, Lahm, Klose und andere wieder zurückkommen?

Löw: Gute Frage. Ich habe der Mannschaft bereits Anfang der Woche gesagt, dass der Konkurrenzkampf größer geworden ist. Der Wettbewerb auf allen Positionen ist nun endgültig entbrannt und wird sich noch mehr zuspitzen. Die EM-Kandidaten müssen mir in der Bundesliga und in den internationalen Wettbewerben Zeichen geben, dass sie in die Nationalmannschaft gehören. Die größte Gefahr ist, wenn einige meinen, sie könnten nun nach der souveränen Qualifikation ein bisschen nachlassen. Wir gehören noch nicht zu den absolut Besten in Europa. Wir müssen noch hart arbeiten für das Ziel Europameisterschaft. Vieles hat bislang schon gut geklappt. Wir müssen aber optimieren und dürfen nicht stagnieren.

Frage: Gegen Tschechien sowie im November gegen Zypern und Wales können sie theoretisch experimentieren. Wie sind Ihre Pläne?

Löw: Zunächst mal wollen wir in München gegen Tschechien ein gutes Spiel machen und gewinnen, denn das ist ein kleines Highlight in der EM-Qualifikation. Sicherlich wird in München Lukas Podolski von Beginn an spielen, der nach seiner Einwechslung viele gute Szenen hatte. Im November werde ich sicherlich den ein oder anderen testen, der zuletzt wegen Verletzungen nicht bei der Nationalmannschaft war, aber im Verein schon wieder spielt.

Ein ausführliches Video-Interview mit Joachim Löw finden Sie hier.

14 October 2007
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Wednesday, 17 August 2016

Joachim Löw: "Wir wollen Europameister werden", 13 July 2006

Joachim Löw hat beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) einen Vertrag als Bundestrainer bis zum Ende der EM 2008 in Österreich und der Schweiz unterschrieben. Im aktuellen Interview spricht der Nachfolger von Jürgen Klinsmann über seine Ziele und Aussichten mit der Nationalmannschaft. Frage: Herr Löw, Sie sind nach dem Abschied von Jürgen Klinsmann vom Assistenten zum neuen Bundestrainer befördert worden. Mit welchen Gefühlen gehen Sie die neue Aufgabe an?

Joachim Löw: Ich freue mich natürlich sehr über die neue Herausforderung. Zunächst einmal möchte ich mich aber bei Jürgen bedanken - auch im Namen der gesamten Mannschaft und des Teams hinter dem Team. Jürgen und ich haben in den vergangenen zwei Jahren menschlich mit vollstem Vertrauen, einer uneingeschränkten Loyalität und einer großen Zuneigung zusammen gearbeitet. Seinen Entschluss, nicht weiter zu machen, sollte jeder absolut respektieren.

Frage: Ihr Vertrag gilt zunächst für die nächsten zwei Jahre. Welche Ziele haben Sie sich für diese Zeit gesteckt?

Löw: Der Jürgen hat vor zwei Jahren erklärt, wir wollen Weltmeister werden. Ich sage jetzt ganz klar: Wir wollen 2008 Europameister werden.

Frage: Wie wollen Sie das Ziel erreichen?

Löw: Wir alle wollen den eingeschlagenen Weg weiter führen. Es ist deshalb auch wichtig, dass wir mit dem bisherigen Stab weiter arbeiten können. Zudem wollen wir neue Impulse schaffen und Ideen weiter entwickeln. Nur so können wir uns dauerhaft wieder in der Weltspitze etablieren.

Frage: Und der Weg mit jungen Spielern soll fortgesetzt werden?

Löw: Natürlich. Wir haben ein Ensemble von hochqualifizierten jungen Spielern. Einerseits wird es wichtig sein, den Spielern, die uns bei der WM auf Platz drei geführt haben, zu helfen, damit sie nicht in ein Loch fallen. Andererseits gibt es viele Talente, die in den nächsten Jahren an die A-Nationalmannschaft herangeführt werden müssen.

Frage: Sie rücken nun in die vorderste Linie. Glauben Sie, dass sie mit dem Druck umgehen können, und wer wird Sie als neuer Assistenztrainer unterstützen?

Löw: Es ist ja so, dass ich schon viele Jahre lang zum Beispiel beim VfB Stuttgart oder auch bei Fenerbahce Istanbul als Cheftrainer in der Verantwortung gestanden habe und den Druck deshalb gewohnt bin. Vielleicht kann ich ja den Jürgen in neuer Funktion als Assistent gewinnen. Nein, im Ernst: Ich werde jetzt ein paar Tage lang Kraft tanken, und dann wird es eine meiner ersten Amtshandlungen sein, mich um einen Assistenztrainer zu bemühen.

Frage: Gibt es dafür schon einen Kandidaten, zum Beispiel Jürgen Klopp oder Dieter Eilts?

Löw: Jürgen Klopp steht als Trainer beim FSV Mainz 05 unter Vertrag und deshalb nicht zur Diskussion. Dieter Eilts wird weiter als Trainer der U 21-Nationalmannschaft arbeiten. Eine Lösung gibt es zurzeit noch nicht.

18 July 2006
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Friday, 4 December 2015

Joachim Löw: "Vom Duell Spanien-Deutschland Verabschieden", 12.10.2011

Deutschland und Spanien sind ohne Punktverlust durch die Qualifikation zur Europameisterschaft in Polen und der Ukraine 2012 marschiert. Im Gespräch nach dem abschließenden 3:1-Heimsieg im letzten Gruppenspiel gegen Belgien blickt Bundestrainer Joachim Löw auf die EM-Qualifikation zurück und verabschiedet sich von einem deutsch-spanischen Duell.

Frage: "Die deutsche Mannschaft hat durch das 3:1 gegen Belgien den zehnten Sieg im zehnten EM-Qualifikationsspiel geschafft und damit einen Rekord für die Ewigkeit aufgestellt. Was bedeutet Ihnen diese Bestmarke?"

Joachim Löw: "Zehn Spiele, zehn Siege - was will man mehr? Das ist nach einer schweren WM in den vergangenen 14 Monaten eine tolle Leistung der Mannschaft gewesen. Der Rekord war lange keine Thema für uns, aber vor dem Spiel gegen Belgien habe ich ihn thematisiert. Denn die Namen der aktuellen Spieler werden immer mit diesem Rekord verbunden bleiben."

Frage: "Hat diese Bestmarke auch noch andere Auswirkungen?"

Löw: "Ja, denn mit jedem Sieg verdient man sich weiteren Respekt. Und das merkt man auch in den Spielen. Es ist ein Vorteil für jede Mannschaft, wenn der Gegner einem gehörigen Respekt entgegenbringt. Gerade auch bei einem Turnier ist das wichtig."

Frage: "Was hat Ihnen zum Qualifikationsabschluss besonders an Ihrer Mannschaft gefallen?"

Löw: "Man hat gesehen, dass die Mannschaft nach wie vor hungrig ist. Sie will jedes Spiel gewinnen. Dafür gebührt ihr ein Riesenkompliment. Zudem spürt man bei den Spielern, dass sie nie nachlassen und sich immer weiter verbessern wollen."

Frage: "Können Sie beschreiben, in welchen Bereichen sich Ihre Mannschaft nach der WM in Südafrika weiterentwickelt hat?"

Löw: "Das sind ja oft nur Nuancen. Die Automatismen funktionieren besser, das Spiel ohne Ball hat sich weiter verbessert. Unsere Systematik und das Niveau sind sehr gut beziehungsweise hoch. Wir haben uns zudem nach dem Turnier unglaublich stabil gezeigt. Wir spielen schnell, sicher und zielstrebig und wir finden heute bessere Lösungen als noch im Sommer 2010."

Frage: "Wie groß ist der Kreis Ihrer EM-Kandidaten für Polen und die Ukraine?"

Löw: "25, 30 Spieler, es ist immer schwierig, sich da auf eine genaue Zahl festzulegen. Ich weiß nur, dass die Nominierung im nächsten Jahr relativ einfach für mich wird, sofern die Spieler ihre Form halten. Ich habe mich vor den letzten Turnieren schwerer getan, weil ich mir über manche Qualitäten nicht so sicher war. Sicher wird es aber auch vor dieser EM einige Härtefälle geben. Mal sehen, was bis zur Nominierung noch alles passiert. Mein Gefühl, alle Positionen doppelt zu besetzen, ist aber gut, denn wir haben Alternativen geschaffen. Dass junge Spieler auf die ein bisschen älteren Jungen Druck machen, ist aber weiterhin das Ziel."

Frage: "Was erwarten Sie von Ihren Kandidaten in den kommenden Monaten?"

Löw: "Ich erwarte, dass alle die Konzentration hochhalten und in ihren Vereinen weiter seriös arbeiten. Gerade wenn man nicht mehr so viele Länderspiele bis zum Turnierstart hat, muss entsprechend im Verein gerabeitet werden. Man kann nicht in eine gute EM-Form kommen, wenn man erst im April anfängt."

Frage: "Deutschland zählt nach seinen starken Vorstellungen in der Qualifikation zu den Topfavoriten bei der EM. Wie schätzen Sie Ihre Mannschaft im Vergleich zu Welt- und Europameister Spanien ein?"

Löw: "Nachdem ich mich in dieser Woche schon von dem Begriff Stammspieler verabschiedet habe, verabschiede ich mich auch von dem Duell Deutschland-Spanien. Dieses Spiel muss es bei dem Turnier ja gar nicht geben, auch wenn alle nur von diesem Duell reden. Die Niederlande, England, Portugal, Frankreich, das sind alles Mannschaften, die zum Favoritenkreis zählen. Spanien und wir werden nicht alleine die Hauptrollen bei der EM spielen. Wir müssen auch einige andere Hürden überspringen und nicht nur Spanien."

12 OCtober 2011
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Sieger-Pulli von Joachim Löw kommt ins DFB-Fussballmuseum, 10.10.2011

Der bei der WM 2010 in Südafrika als Glücksbringer berühmt gewordene blaue Kaschmir-Pullover von Bundestrainer Joachim Löw wird seine Heimat im DFB-Fußballmuseum finden. Nach der Weltmeisterschaft hatte die GALERIA Kaufhof GmbH das Kleidungsstück mit Symbolcharakter für 1 Mio. Euro zugunsten der Hilfsorganisation "Ein Herz für Kinder" ersteigert.

Einen Tag vor dem EM-Qualifikationsspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Belgien überreichte Lovro Mandac, Vorsitzender der Geschäftsführung des Warenhausunternehmens, den WM-Siegerpulli Manuel Neukirchner für das entstehende DFB-Fußballmuseum.

Lovro Mandac sagte bei der Übergabe in Anwesenheit von Bundestrainer Joachim Löw in Düsseldorf: "Obwohl mit der Europameisterschaft 2012 schon wieder das nächste wichtige Ereignis bevorsteht, erinnern sich die Fans noch gerne an die spannenden Spiele während der WM 2010. Der blaue Pullover hat als wichtiger Talisman ein Stück Fußball-Geschichte geschrieben. Deshalb kommt er nach Hause – ins DFB-Fußballmuseum nach Dortmund. Wir haben uns dafür entschieden, den Glücksbringer als Dauerleihgabe dem neuen Museum zur Verfügung zu stellen, denn auf diese Weise kann jeder Fußball-Fan noch einmal in WM-Euphorie schwelgen und sich auf die nächsten wichtigen Turniere einstellen."

"Mit dem blauen Pullover des Bundestrainers erhält das DFB-Museum ein tolles Exponat", freut sich Manuel Neukirchner, Geschäftsführer der Stiftung DFB Fußballmuseum: "Der Pulli erzählt einen Teil der Geschichte rund um die begeisternden Spiele unserer Mannschaft bei der WM in Südafrika. Das gute Stück wird daher in unserer multimedialen und erlebnisorientierten Ausstellungsdramaturgie sofort Erinnerungen wecken und die WM 2010 lebendig werden lassen."

Joachim Löw trug den Pullover in Südafrika bei den erfolgreichen WM-Vorrundenspielen gegen Australien und Ghana sowie bei den begeisternden Begegnungen gegen England (Achtelfinale) und Argentinien (Viertelfinale) und wurde zum Talisman für die deutsche Nationalelf. Einzig bei der Niederlage im Vorrundenspiel gegen Serbien hatte Löw statt des Pullis eine Strickjacke getragen, bei der Halbfinal-Niederlage gegen Spanien endete die Siegesserie mit dem blauen Pullover, der Kultstatus erlangte. "Ich wünsche mir, dass der Pullover im Museum einen würdigen Platz findet und gut behütet wird. Vielleicht kann ich bei den nächsten Turnieren dann nochmal auf ihn als Glücksbringer zurückgreifen", sagte Bundestrainer Joachim Löw mit einem Schmunzeln.

Zu sehen ist der Löw-Pulli voraussichtlich ab 2014. Der Spatenstich für den Neubau des DFB-Fußballmuseums auf der rund 6.000 Quadratmeter großen Grundstücksfläche soll nach der Planungs- und Genehmigungsphase im Jahr 2012 erfolgen. Für die Gebäudefertigstellung sind bei optimalem Bauverlauf 24 Monate vorgesehen.

10 October 2011
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Sunday, 26 July 2015

Joachim Löw: "Ein super Abschluss der beiden Landerspiele", 07.09.2006

Nach dem EM-Qualifikationsspiel in San Marino hat sich Bundestrainer Joachim Löw im Interview zum 13:0 (6:0)-Sieg der deutschen Nationalmannschaft geäußert.

Frage: Joachim Löw, mit dem 13:0 gegen San Marino haben Sie mit Ihrem Team den höchsten Sieg der Nachkriegsgeschichte und zudem einen perfekten Start in die EM-Qualifikation gefeiert. Wie lautet Ihr Fazit?

Joachim Löw: Wer jetzt nicht zufrieden ist, der ist selber schuld. Ob 11, 12, oder 13:0, das spielte am Ende keine Rolle mehr. Man hat gespürt, dass die Spieler mit sehr viel Spaß und Freude bei der Nationalmannschaft sind. Das 13:0 gegen San Marino war nach dem Erfolg gegen Irland ein super Abschluss der beiden Länderspiele.

Frage: Wie haben Sie Ihre Mannschaft auf dieses besondere Spiel vorbereitet? Oftmals unterschätzt man als Favorit ja die so genannten Fußball-Zwerge...

Löw: Wenn man diese Partien nicht voll konzentriert angeht, dann sind diese vermeintlich leichten Spiele manchmal mitunter auch die schwierigsten. Es ist schwer, in so einem Ambiente einen emotionalen Höhepunkt abzurufen. Die Mannschaft hat das aber klasse umgesetzt.

Frage: Lukas Podolski hat vier Treffer beigesteuert und scheint auch ansonsten auf dem Weg zu alter Stärke. Wie beurteilen Sie die Leistung Ihres Angreifers?

Löw: Wenn ein Spieler wie Lukas Podolski vier Tore schießt, dann ist so ein Spiel natürlich besonders wertvoll. Das war gut für sein Selbstvertrauen. Vor allem für die Spieler, die in ihren Vereinen zuletzt im zweiten Glied standen, war das eine wichtige Partie. Auch für Thomas Hitzlsperger ist es toll, in nur 30 Minuten zwei Tore zu machen. So etwas bringt die Spieler ein Stück weit voran.

Frage: Michael Ballack fehlt dagegen noch ein Stück zur alten Stärke. Warum haben Sie ihn bereits nach 45 Minuten ausgewechselt?

Löw: Ballack hatte leichte Probleme im Oberschenkel. Kurz vor der Pause hat der Muskel zugemacht, da war es besser ihn rauszunehmen, denn wir wollten kein Risiko eingehen. Miro Klose haben wir auch ganz bewusst rausgenommen. Er hat vor, während und nach der WM unheimlich viele Spiele gemacht und ein unglaubliches Pensum absolviert. Leider konnte man heute nur drei Spieler rausnehmen, sonst hätte ich noch mehr getauscht.

Frage: Mit dem Sieg gegen San Marino haben Sie die Tabellenführung in Ihrer EM-Qualifikationsgruppe erobert. Nach dem Test gegen Georgien in Rostock wartet dann die Slowakei auf die deutsche Nationalmannschaft...

Löw: Die Slowakei ist natürlich ein ganz anderer Prüfstein. Aber ehrlich gesagt, habe ich mir noch kein genaues Bild über die anderen Gruppengegner gemacht. Aber dass die Slowaken so deutlich gegen die Tschechen verloren haben, überrascht mich schon. Denn sie haben sehr gute Einzelspieler. Man darf sie trotz dieser Niederlage auf keinen Fall unterschätzen.

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Friday, 3 July 2015

Löw: "Qualität zählt mehr als Erfahrung", 05.04.2011

Bundestrainer Joachim Löw spricht im Interview der Woche mit Eurosport über den Verlauf der EM-Qualifikation, Schönspielerei und einen Titel mit der Nationalelf. Zudem verrät der 51-Jährige, was Teams wie Borussia Dortmund auszeichnet und warum Vereine nicht immer den Trainer wechseln sollten.

Das Interview führte Hans Finger

Die EM-Qualifikation ist für die deutsche Nationalmannschaft bisher perfekt gelaufen. Fünf Siege, 15 Punkte - haben Sie das so erwartet?

Joachim Löw: Es war sicherlich eingeplant, dass wir die Spiele gegen Kasachstan und Aserbaidschan gewinnen. Am Anfang der Qualifikation war ich schon positiv angetan, weil wir eine lange WM hatten. Die Spieler waren bis zum Schluss dabei und hatten eine ziemlich kurze Pause und eine ganz kurze Vorbereitungszeit. Dann haben wir in Belgien gespielt und dann gegen die Türkei - das waren schon Spiele, wo ich mir gedacht habe: Vielleicht erreichen wir einmal nicht unseren Standard. Aber dann hat die Mannschaft das klasse gemacht und überzeugende Siege errungen. Diese Konstanz hat mich überrascht.

Apropos Konstanz, Sie haben jüngst Ihren Vertrag als Bundestrainer bis 2014 verlängert. Ist das eine Bestätigung für das Potenzial, das Sie im deutschen Fußball mittelfristig sehen?

Löw: Auf dem Weg, den wir seit einigen Jahren gemacht haben, vor allem 2009 und 2010 mit der WM, habe ich große Entwicklungssprünge gesehen. Das ist für mich als Trainer eine Befriedigung und Bestätigung für unsere Arbeit. Ich denke, dass wir mit unserer jungen Mannschaft die nächsten zwei, drei Jahre große Möglichkeiten haben. Die Perspektiven sind sehr gut. Wir können uns noch weiterentwickeln - diesen Weg möchte ich gerne begleiten.

Inwiefern sind Sie bestrebt, Spiele nicht nur zu gewinnen, sondern dabei auch noch schön zu spielen?

Löw: Die wichtigste Maxime für mich als Trainer war besser zu spielen als der Gegner. Und Punkt zwei: natürlich zu gewinnen. Ich möchte keine Mannschaft haben, die nur auf Teufel komm raus Spiele gewinnt, aber bei der Spielstil und Spielkultur nicht stimmen. Ich möchte eine Mannschaft, die dominant ist und besser Fußball spielen kann als der Gegner. Darauf arbeiten wir hin. Natürlich sind auch Ergebnisse wichtig, daran wird man gemessen. Aber ich möchte auch eine Mannschaft, die gut spielt.

Die Nationalmannschaft wird immer jünger. Ist die Erfahrung mittlerweile nicht mehr so wichtig?

Löw: Zuerst ist es keine Frage des Alters, sondern der Qualität. Als Trainer wird man die Mannschaft immer so zusammensetzen, dass man das Gefühl hat: Diese Spieler passen am besten zusammen. In den letzten Jahren habe ich aber auch die Erfahrung gemacht, dass die Qualität über der Erfahrung steht. Das hat man bei der WM 2010 gesehen. Müller, Khedira, Neuer, Özil - die hatten überhaupt keine Turniererfahrung und alle wenig Länderspiele - aber sie haben trotzdem überragend gespielt.

Dann dürfte es Sie freuen, dass die Trainer in der Bundesliga vermehrt auf junge Kräfte setzen.

Löw: Ja, das sehe ich positiv. Nehmen wir einfach mal den Dortmunder Jürgen Klopp, der fünf, sechs, sieben, acht junge Spieler einbaut, sie ins kalte Wasser schmeißt, ihnen auch das Vertrauen gibt. Das brauchen die.

Ist die Bundesliga dabei, England und Spanien den Rang abzulaufen?

Löw: Wir sind schon noch ein Stück hinterher, das muss man so deutlich sagen. In diesem Jahr hat mit Schalke nur eine deutsche Mannschaft das Viertelfinale in einem europäischen Wettbewerb erreicht - England und Spanien schicken mehrere Teams ins Rennen. Das spricht jetzt nicht für die Bundesliga.

Sie sprechen Dortmund an. Die Mannschaft führt souverän die Tabelle der Bundesliga an. Was ist ihr größter Pluspunkt?

Löw: In erster Linie der Trainer, er hat die Mannschaft ja zusammengestellt und geformt. Bei Dortmund sehe ich eine sich wiederholende Spielweise, eine klare Handschrift. Ich weiß, wie Dortmund spielt und ich sehe, dass sich Dinge wiederholen, Automatismen vorhanden sind - das macht diese Mannschaft so stark. Darüber hinaus sind die Spieler körperlich in einer sehr guten Verfassung. Sie können jedes Spiel 90 Minuten hohes Tempo gehen und richtig Druck machen.

90 Minuten hohes Tempo, Druck machen - Sie leben mit der Nationalelf gewissermaßen das vor, was in vielen Bundesliga-Mannschaften praktiziert wird.

Löw: Gewisse Dinge, die wir mit der WM 2006 begonnen haben, zum Beispiel Fitnesscoaches und Sportpsychologen einzusetzen, die im individuellen Bereich mit den Spielern arbeiten, haben sich in den Vereinen festgesetzt, da gab es ja große Widerstände. Wir sehen, dass das der richtige Weg ist. Mit der WM 2010 ist die Denkweise gefestigt worden, eigene, junge Spieler einzubauen und diese Plätze nicht durch mittelmäßige und durchschnittliche Ausländer zu besetzen.

In den vergangenen Wochen haben andere Schlagzeilen die Bundesliga bestimmt. Wie beurteilen Sie die ganzen Trainerwechsel?

Löw: Die Bundesliga hat sicherlich kein positives Bild abgegeben. Was da passiert ist, war schon kurios. Da sorgt auch in den Vereinen und vor allem bei den Spielern für viel Unruhe und manchmal Nervosität. Einige Nationalspieler sind ja auch betroffen. Man muss das zwar von Fall zu Fall betrachten, aber Konstanz und Kontinuität bei Trainern in Vereinen mit einer klaren Philosophie ist auf Dauer immer erfolgreicher als ständige Wechsel.

Ist dann für Sie der große Titel in der Nationalmannschaft nicht bald mal fällig?

Löw: Sagen wir es so: Wir sind titelreifer als 2006 oder 2008. Das ist aber eine Momentaufnahme. Vielleicht sieht in eineinhalb Jahren vieles anders aus. Das hängt immer davon ab, wie sich Spieler entwickeln oder ob sich wichtige Spieler verletzen. Bei einem Turnier weiß man natürlich auch, dass unvorhersehbare Dinge passieren können, zum Beispiel ein Elfmeterschießen. Da geht es knapp zu, das haben wir alles selber erlebt. Wir sind auf einem guten Weg und gehören zu den Nationen, die einen modernen Fußball spielen, der vertikal ist, der schnell ist und der Fußballkultur beinhaltet. Das Maß aller Dinge ist allerdings Spanien.

5 April 2011
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Tuesday, 26 May 2015

Das aktuelle Interview mit Joachim Löw zum Vorläufigen em Kader, 16.05.2008

Unmittelbar nach der Bekanntgabe des vorläufigen EM-Kaders hat Bundestrainer Joachim Löw die Antworten der zahlreichen Journalisten beantwortet. Im aktuellen Interview spricht Löw über den Kader und die Neulinge im Team.

Frage:u Joachim Löw, hat Ihnen die Auswahl des Kaders für die Europameisterschaft schlaflose Nächte bereitet?

Joachim Löw: Ich habe nicht unruhig geschlafen, aber natürlich haben wir uns sehr viele Gedanken gemacht. Wir haben im Trainerstab in den vergangenen zwei Jahren ein Drehbuch geschrieben, es hat viele Diskussionen gegeben. Wir haben uns sehr intensiv und akribisch damit beschäftigt. Wir sind von diesem Kader voll überzeugt.

Frage: Wie schwer ist es Ihnen gefallen, Spieler wie Timo Hildebrand zu informieren, dass ihr Traum von der EM geplatzt ist?

Löw: Absagen gehören dazu. Das ist nicht einfach. Ich wünsche den Spielern die Kraft, um gut damit umzugehen. Wir wissen, dass diese Entscheidung allen an die Nieren geht und alle schmerzlich enttäuscht sind, auch Timo.

Frage: Bedeutet die Entscheidung für Robert Enke und Rene Adler, dass die Nationalmannschafts-Karriere von Timo Hildebrand beendet ist?

Löw: Was dies für die Zukunft bedeutet, möchte ich offen lassen. Aber nach der EM hat jeder seine Perspektiven.

Frage: Was hat den Ausschlag für 26 Spieler gegeben?

Löw: Wir haben darüber auch intern diskutiert, aber wir wollen alle Ressourcen ausschöpfen, wir wollen den Konkurrenzkampf. Wir haben jetzt den Luxus, die Spieler über einen längeren Zeitraum zu beobachten. Da wollen wir alle Möglichkeiten nutzen, um den ein oder anderen noch einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Frage: Dazu gehört sicher auch Marko Marin, den Sie überraschend berufen haben. Was hat den Ausschlag für den jungen Gladbacher gegeben, war auch der Ausfall von Bernd Schneider entscheidend?

Löw: Mit dem Ausfall von Bernd hat das weniger zu tun. Wir haben ihn eine ganze Weile beobachtet, und er hat uns überzeugt. Er hat herausragende Qualitäten in Eins-gegen-Eins-Situationen. Solche Spielertypen gibt es nicht allzu viele. Sicher ist es für ihn ein Sprung ins kalte Wasser. Er ist noch jung und muss noch lernen. Aber er hat etwas Besonderes. Ich hoffe, dass er die Frechheit auf dem Platz auch bei uns beibehält.

Frage: Haben Sie schon die drei Streichkandidaten im Kopf?

Löw: Sicher weiß der Großteil, dass er dabei ist, wenn die Vorbereitung vernünftig läuft. Es gibt auch bestimmte Gedankenspiele, aber ich habe noch keine Spieler im Kopf, die wir wieder nach Hause schicken. Wir haben noch viele Einheiten, um das zu entscheiden.

Frage: Befürchten Sie durch die Streichungen nicht eine gewisse Unruhe?

Löw: Nein. Am 28. Mai endet dieses Casting. Die Spieler wissen dann, dass es nicht an ihrer Qualität gelegen hat. Sie werden damit umgehen können. Sie müssen mit diesem Druck leben.

16 May 2008
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Löw: "Eine Millimeter-Entscheidung", 28.05.2008

Nach der Bekanntgabe des endgültigen Kaders der Nationalmannschaft für die EURO 2008 in Österreich und der Schweiz (7. - 29. Juni) stellte sich Bundestrainer Joachim Löw zum aktuellen Gespräch:

Frage: Joachim Löw, was hat den Ausschlag gegeben, Jermaine Jones, Patrick Helmes und Marko Marin aus dem EM-Kader zu streichen?

Joachim Löw: Die Entscheidung ist unserem Trainerteam sehr schwer gefallen. Es war eine Millimeter-Entscheidung, denn jeder der drei Spieler hätte es verdient gehabt, dem EM-Kader anzugehören. Dies ist keine Entscheidung gegen ihre Qualität, sie haben in dem Trainingslager auf Mallorca einen hervorragenden Eindruck hinterlassen.

Frage: Haben die drei Spieler eine Zukunft im DFB-Team?

Löw: Patrick Helmes, Jermaine Jones und Marko Marin haben gute Perspektiven, nach der EM wieder im Kreis der Nationalmannschaft dabei zu sein und eine gute Rolle zu spielen.

Frage: Wie ordnen Sie die Leistung der Mannschaft beim 2:2 gegen Weißrussland ein?

Löw: Sorgen nicht, aber zufrieden kann man natürlich nicht sein. Wir haben in den letzten 30 Minuten eine 2:0-Führung aus der Hand gegeben. Das ist schon enttäuschend.

Frage: Welche Gründe gab es für das 2:2 in der zweiten Halbzeit?

Löw: Es hat die Konzentration gefehlt. Wir haben in den vergangenen Tagen sehr, sehr hart trainiert. Man hat gespürt, dass einige einen Rucksack auf dem Rücken hatten und müde waren. Es hat die Frische gefehlt. Man hat auch gesehen, dass wir erst kurz mit dem Ball trainiert haben.

Frage: Wie haben Sie die Leistung von Torwart Jens Lehmann gesehen?

Löw: Man spürt, dass er Spiele braucht. Er wird am Samstag gegen Serbien auf jeden Fall im Tor stehen. Wir vertrauen ihm weiter.

Frage: Und wie steht es mit der Abwehr generell?

Löw: Wir haben die Organisation nicht so hinbekommen. Wir haben aber auch nach vorne viele Fehler gemacht. Wir müssen uns in allen Bereichen verbessern.

Frage: Was erwarten Sie für den EM-Auftakt am 8. Juni gegen Polen?

Löw: Wir werden in den nächsten Tagen intensiv mit dem Ball und an taktischen Dingen arbeiten. Wir müssen dies festigen. In zwölf Tagen werden aber alle besser in Form sein. Das kann ich versprechen.

28 May 2008
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Sunday, 24 May 2015

Joachim Löw: "Die Konzentration hat gefehlt", 27.05.2012

Beim 3:5 in der Schweiz hat Joachim Löw zwar Defizite ausgemacht, Sorgen macht sich der Bundestrainer aber keine. "Wir haben noch zwei Wochen Zeit. Ab Montag beginnt die Vorbereitung auf die EM", sagte Löw und sprach auch über die Rückkehr der Bayern-Spieler, Miroslav Klose und das Debüt von Marc-André ter Stegen.

Frage: Das Spiel gegen die Schweiz ist sicherlich nicht nach Ihren Vorstellungen verlaufen. Wie bewerten Sie den Auftritt der deutschen Mannschaft?

Joachim Löw: Das Ergebnis ist ärgerlich, das hätten wir nicht gedacht. Darüber kann man sich natürlich nicht freuen. Wir haben viel zu viele Fehler in unserem Spiel gemacht. Es gibt nun einiges aufzuarbeiten, denn es sind sehr viele Dinge passiert, die muss man noch mal in Ruhe vor sich ablaufen lassen und dann analysieren.

Frage: Haben Sie eine Erklärung, warum Ihre Mannschaft so untergegangen ist?

Löw: Das ist natürlich eine gefährliche Phase in der Vorbereitung, denn nach vielen intensiven Einheiten hat die Konzentration gefehlt. Das soll jetzt aber nicht als Ausrede gelten. Die Schweizer waren einfach frischer, beweglicher und konzentrierter. Wir wollten einige Dinge sehen, das hat aber nicht funktioniert.

Frage: Muss Ihnen nicht vor allem die Abwehrleistung kurz vor dem EM-Start Angst und Bange machen?

Löw: Unser Defensivverhalten war nicht gerade berauschend. Deshalb darf man aber nicht nur den Abwehrspielern einen Vorwurf machen. Grundsätzlich mache ich mir aber keine Sorgen, denn wir haben noch zwei Wochen Zeit. Die Abstimmung wird besser werden - ich habe keine Bedenken. Die Bayern steigen am Montag ins Training ein. Einige Spieler haben gefehlt, die unser Spiel prägen. Mit den Bayern-Spielern gehen wir zur Normalität über. Ab Montag beginnt die Vorbereitung auf die EM.

Frage: Wie gehen Sie denn mit den Bayern um, die erst am Samstagabend im Quartier eingetroffen sind?

Löw: Ich werde mit keinem Spieler über das verlorene Spiel (Champions-League-Finale, d. Red.) sprechen. Ich habe keine Bedenken, dass da etwas hängen bleibt.

Frage: Müssen sie Marc-André ter Stegen, der bei seiner Premiere zwischen den Pfosten der Nationalmannschaft fünf Gegentore kassierte, besonders trösten?

Löw: Er darf jetzt den Kopf nicht hängen lassen. Er hat eine Riesensaison gespielt, hat unglaubliche Anlagen. Bei den ersten zwei Toren wurde er ganz kalt erwischt, sieht dann in der ein oder anderen Situation unglücklich aus. Da kann man diskutieren, ob er einen Schritt weiter vorne stehen muss. Ich mache ihm aber keine Vorwürfe. Er ist ein großartiger Torhüter mit vielen guten Qualitäten. Er wird seinen Weg machen. Jetzt ist er ein bisschen geknickt, aber wir werden ihn wieder aufbauen. Ich bin überzeugt, dass er das wegstecken wird.

Frage: Wie ordnen Sie die Leistungen von Torjäger Miroslav Klose und Abwehrspieler Per Mertesacker ein?

Löw: Man hat gesehen, dass beiden noch die Wettkampfpraxis fehlt. Deshalb war das Spiel sehr wichtig für sie. Sie werden noch das eine oder andere Spiel brauchen, um wieder ihre Normalform zu erreichen. Vor allem bei Miro hat man gesehen, dass er die eine oder andere Torchance, bei der er normalerweise sehr sicher ist, ausgelassen hat.

Frage: Am Dienstag müssen Sie Ihr endgültiges EM-Aufgebot benennen, zuvor werden noch vier Spieler gestrichen. Wird das Spiel gegen die Schweiz Ihre Entscheidung beeinflussen?

Löw: Das war gegen die Schweiz kein individuelles Schaulaufen. Ich wollte sehen, was der Einzelne dem Team bringen kann. Einzelne Spieler aufgrund einer Situation, eines Spiels, eines Kurzeinsatzes zu bewerten, wäre völlig falsch. Für manche war das Trainingslager eine große Chance für die Zukunft. Ich kann mir gut vorstellen, dass das eine gute Schule war. Für manche wird es sicher hart, wenn sie nicht mit zur EM fahren. Aber es war gut, dass sie dabei waren.

27 May 2012
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Sunday, 15 March 2015

Löw: "Unser ehrgeiz ist ungebrochen", 28.10.2012

Bundestrainer Joachim Löw blickt trotz der jüngsten Kritik an der Nationalmannschaft und seiner Person mit großer Zuversicht auf die WM 2014 in Brasilien. "Wenn wir noch ein bisschen cleverer werden, sind wir eine unheimlich starke Mannschaft und haben 2014 alle Chancen, ganz klar", sagte Löw im ZDF im Aktuellen Sportstudio und betonte: "Unser Ehrgeiz ist ungebrochen, und wir setzen alles daran, das zu schaffen in Brasilien."

Löw kündigte Konsequenzen aus dem bitteren 4:4 nach 4:0-Führung gegen Schweden in der WM-Qualifikation an. "Das Spiel hat aufgedeckt, wo wir unsere Probleme haben. Wir sind noch nicht resistent gegen Unwägbarkeiten", sagte Löw: "Wir werden jetzt auch verstärkt unser defensives Potenzial abrufen müssen."

Der Mannschaft fehle "ein bisschen die Balance", sagte der Bundestrainer. "Defensiv stabil zu sein, ohne die Offensive zu vernachlässigen - das können nur die herausragenden Mannschaften. Wir müssen das schaffen, uns da weiter zu verbessern."

Löw räumte ein, dass das A-Team auf den Außenverteidiger-Positionen und im Sturmzentrum "ein paar Probleme" habe. Man habe sich deshalb mit DFB-Sportdirektor Robin Dutt und den Junioren-Trainern Gedanken gemacht, sagte Löw, "was wir in den U-Mannschaften machen können und auch mal in den Leistungszentren vorschlagen." Es liefen "schon Maßnahmen, diese Positionen für die Zukunft zu stärken".

An der grundsätzlich offensiven Ausrichtung der Nationalmannschaft soll sich aber auch in Zukunft nichts ändern. "Zu dieser Philosophie stehe ich, zu dieser Angriffsphilosophie gibt es keine Alternative. Die Kraft nach vorne wollen wir behalten", sagte Löw.

Der Bundestrainer hatte ursprünglich am vergangenen Samstag im Sportstudio auftreten sollen. Er musste seinen Besuch wegen eines grippalen Infekts aber zunächst absagen.

28 October 2012
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Joachim Löw: "Daraus lerne auch ich", 22.10.2012

Joachim Löw hat sich mit ein paar Tagen Abstand und nach auskurierter Grippe zum 4:4 in der WM-Qualifikation gegen Schweden geäußert. Im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (SID) nimmt der Bundestrainer zur Debatte um die Führungsspieler, zu eigenen Fehlern und zu seiner Motivation Stellung.

Frage: Joachim Löw, können Sie die Sorgen und Zweifel nach dem 4:4 gegen Schweden mit einigem Abstand nachempfinden?

Joachim Löw: Diese Debatten kann ich natürlich nachempfinden. Auch bei uns saß der Stachel tief. Wir konnten uns auch nicht vorstellen, dass wir nach so einem grandiosen Spiel einen 4:0-Vorsprung noch aus der Hand geben. Wir waren alle fassungslos.

Frage: Haben Sie die Enttäuschung schon einigermaßen verarbeitet?

Löw: Der Stachel sitzt jetzt nicht mehr so tief, weil wir natürlich darüber gesprochen haben und Lösungen finden müssen. Die Erkenntnis ist: Dieses unglaubliche Offensivpotenzial führt fast zwangsläufig auch zu Schwächen. Und diese Schwächen sind nicht erst jetzt, sondern schon im gesamten Jahr in Erscheinung getreten.

Frage: Sie haben nach dem EM-Aus von kleineren Korrekturen gesprochen, die nötig seien. Sehen Sie inzwischen Bedarf für größere Veränderungen?

Löw: Die aktuelle Situation hilft uns, die Weichen jetzt nochmals richtig zu stellen. Insofern hat es vielleicht auch etwas Positives. Das ist mir lieber, als wenn wir im Herbst 2013 feststellen müssen, dass wir in so eine negative Situation rutschen.

Frage: Was kann die Mannschaft aus so einem Spiel wie in Berlin mitnehmen?

Löw: Grundsätzlich wird die Mannschaft an so einer Situation auch wachsen. Lektionen, die auf dem Platz so eindringlich sind, daraus kann man auch wachsen. Das wird uns jetzt nicht mehr so passieren, da bin ich mir sicher. Bei der EM war es festzustellen, dass wir bis auf das Italien-Spiel eine gute Balance hatten. Gegen Österreich haben wir schon defensive Schwächen gehabt und mit Glück gewonnen. In diesem Maße wie in den letzten 30 Minuten gegen Schweden sind sie noch nicht zutage getreten.

Frage: Sehen Sie einen Rückschritt in der Entwicklung?

Löw: In einer Entwicklungsphase gibt es immer mal Rückschläge. Absolut. Wir haben ein unglaubliches Kreativ- und Offensivpotenzial wie vielleicht seit Jahrzehnten nicht mehr. Auf der einen Seite sollten wir darüber glücklich sein und es als große Chance begreifen, dass wir unsere gesamte Philosophie nach diesen Spielern ausrichten können. Aber diese Gegentore und Defensivschwächen kann auch ich nicht akzeptieren - und will ich auch nicht akzeptieren.

Frage: Was werden Sie ändern?

Löw: In den vergangenen beiden Jahre haben wir große Schritte gemacht im fußballerischen Bereich. Es hat zwar nicht zur Perfektion und zu einem Titel gereicht, aber man hat gesehen, dass wir fußballerisch mit den Besten mithalten können. Das halte ich schon für sehr positiv. Wichtig wird sein, dass wir an unserem Defensivverhalten weiter arbeiten.

Frage: Hat sich Ihr Vertrauen in die Spieler verändert?

Löw: Ich stehe zu dieser Generation mit all den Stärken und Schwächen, die wir im Moment haben. Das Potenzial ist hervorragend. Wie wir 60 Minuten gegen Schweden gespielt haben, das hat mich schon sehr zufrieden gestellt. Aber wir müssen natürlich auch an den Schwächen arbeiten, keine Frage. Es gab verletzungsbedingte Ausfälle von Spielern, die uns in so einem Spiel sicher gut getan hätten. Sami Khedira war verletzt, Mats Hummels, die beiden Benders. Es kommen junge Spieler nach, die gut sind, die sich gut entwickeln. Aber personell gesehen, haben wir alle Möglichkeiten und können uns das auch für die Zukunft ein Stück weit offen lassen.

Frage: Wie stellen Sie sich Veränderungen vor?

Löw: Da erwarte ich - da muss ich mir auch an die eigene Nase fassen -, dass wir an Lösungen arbeiten, dass wir nicht mehr in solche Situationen kommen. Vielleicht müssen wir einen Automatismus entwickeln: Was ist zu tun, wenn wir ein Spiel dominieren und dann einen Anschlusstreffer kassieren? Da haben wir in den letzten Spielen in der Tat gewisse Schwächen gezeigt. Wir haben den Gegner das eine oder andere Mal völlig unnötig wieder ins Spiel gebracht, obwohl wir so dominant waren.

Frage: Wie können solche Automatismen aussehen?

Löw: Wenn das Spiel zu kippen droht, dann müssen wir von außen, aber auch von innen Schlüsselpunkte hart einfordern: hinter den Ball, Grundordnung nicht verlassen, einzelne Aktionen wieder gewinnen, die Zweikämpfe wieder gewinnen - und das zum richtigen Zeitpunkt. Das müssen wir lernen.

Frage: Was hat im Rückblick gegen Schweden nicht funktioniert?

Löw: Unser Spiel ist aus den Fugen geraten, weil wir nur noch lange Bälle gespielt haben. Wir haben zum Torhüter zurückgespielt, wir hatten keine Ballsicherheit mehr. So hat es begonnen. Unsere Spieler haben sich im Gefühl des sicheren Sieges so eine zugespitzte Situation nicht mehr vorstellen können. Wir haben auch nicht geglaubt, dass sich Schweden noch in diesem Maße wehrt. Und dann haben wir zu untauglichen Mitteln gegriffen, um das Ruder noch herumzureißen. Wenn man aus so einer Euphorie kommt und eine sportliche Katastrophe verhindern will, dann muss man auch mal die einfachen Dinge wieder tun, die uns stark machen.

Frage: Auch an Sie gab es den Vorwurf, nicht reagiert zu haben. Können Sie das nachvollziehen?

Löw: Natürlich, absolut. Ich konnte auch nicht glauben, dass das Spiel kippt. Ich hätte in der Schlussphase mit einer Auswechslung ein Signal an die Mannschaft senden und noch etwas stoppen können. So etwas habe ich in 20 Jahren auch noch nicht erlebt. Daraus lerne auch ich. Mein Plan war zuerst, ballsichere Spieler zu bringen, um wieder die richtige spielerische Qualität zu haben und für Entlastung zu sorgen. Ich wollte die Schweden vom eigenen Tor weghalten. Aber das ist nicht aufgegangen. Also wäre es besser gewesen, den einen oder anderen Spieler für die Defensive einzuwechseln, der die Räume zumachen kann. Das ist natürlich auch der Vorwurf an mich.

Frage: Wie sehen Sie die Diskussionen um Ihre Führungsspieler?

Löw: Wir haben genügend Spieler, die eine Dominanz ausstrahlen. Das hat man in der Vergangenheit gesehen, das hat man auch jetzt wieder gesehen, in Irland und 60 Minuten gegen Schweden. Wir haben Spieler, die im Zweifelsfall auch gut dagegenhalten können. In der Situation haben sie das weniger umgesetzt. Das war mir schon bewusst. Daran gilt es, mit diesen Spielern auch zu arbeiten - dass wir genau dann, wenn die spielerische Ausrichtung nicht mehr so stimmt, auch ein positives, aggressives, dominantes Auftreten unter Druck zeigen. Man darf sich dann nicht so zurückziehen. Wir hätten diesem Druck standhalten können. Wir alle. Das war in diesen 30 Minuten nicht der Fall.

Frage: Nervt Sie diese Diskussion?

Löw: Diese Debatte über Führungsspieler und flache Hierarchien gibt es ja jetzt schon länger. Wenn man definiert, was einen Führungsspieler auszeichnet, dann wird man sehen, dass wir gute Führungsspieler haben. Da gehört ein großes Können und eine Akzeptanz bei den Mitspielern dazu. Das haben unsere Führungsspieler. Wenn man meint, dass uns derjenige fehlt, der dazwischenhaut, auf Freund und Feind einschlägt, um etwas zu bewegen - den haben wir nicht. Darüber bin ich aber auch nicht böse, weil solche Spielertypen auch mal viel kaputt machen können. Da ist dann der Schaden größer. Aber klar, wir müssen daran arbeiten, dass wir uns in bestimmten Situationen genau so verhalten wie in den ersten 60 Minuten. Aber ich vertraue diesen Spielern auch, weil sie dieses Können haben und auch die Akzeptanz bei den Mitspielern.

Frage: Werden Sie Ihren Führungsstil ändern?

Löw: Wir haben unsere Forderungen und Erwartungen immer deutlich genannt. Die Spieler wissen, was wir Trainer erwarten. Ich denke, den Weg kann man klar erkennen, sonst kann man auch nicht gegen Irland 90 und gegen Schweden 60 Minuten diesen Fußball spielen. Unser Umgang mit den Spielern ist von Respekt geprägt. Ich halte nichts von einem Ton wie auf dem Kasernenhof. Das entspricht auch nicht meiner Persönlichkeit. Ich will die Spieler mit einbeziehen. Wir setzen auf Kommunikation, natürlich geben aber wir die Richtung vor. Das haben wir die letzten Jahre auch kompromisslos gemacht, wenn es um die sportlichen Dinge ging. Daher bin ich von unserem Weg weiterhin überzeugt, den wir weiter gehen werden, ohne blind für Verbesserungen zu sein. Festzuhalten bleibt: Diese Mannschaft hat sich trotz allem hervorragend entwickelt.

Frage: Wie ist es um Ihre Kraft und Motivation bestellt?

Löw: Was die Kraft betrifft, ist es so, dass sich ein Trainer nach einem Turnier mit der Enttäuschung aus einer Niederlage und einer emotionalen Vollbelastung von zwei Monaten natürlich immer fragt: Was gibt es an neuen Impulsen, an neuen Ideen? Das ist eine unglaublich spannende Aufgabe mit diesen hervorragenden Spielern mit charakterlicher Klasse. Deswegen freue ich mich wahnsinnig, dass ich mit solchen Spielern arbeiten kann.

Frage: Nationalteammanager Oliver Bierhoff hat gemeint, dass sich auch die Teamführung hinterfragen müsse.

Löw: Das machen wir ja ständig. Unseren Entscheidungen gehen immer intensive Diskussionen voraus. Das hat nichts mit einem schlechten Spiel zu tun. Wir hinterfragen uns ständig, nach jedem Spiel. Wir machen Workshops, in denen wir ganz kontrovers diskutieren und uns hinterfragen. Mit manchen Dingen, die so dargestellt werden, bin ich nicht immer einverstanden. Dann heißt es: Ist der Bundestrainer beratungsresistent oder kann er keine Fehler zugeben? Wer mich kennt, weiß, dass ich zu meinen Fehlern stehe oder zu einer nicht aufgegangenen Strategie.

Frage: Wie gehen Sie mit den vielen Ratschlägen von außen um?

Löw: Selbst wenn die Vorschläge in eine völlig andere Richtung gehen, dann setzen wir uns auch damit intern auseinander und besprechen diese Ratschläge in unserem Trainerteam. Wir gehen nicht über alles hinweg. Ich finde es gut, wenn man es mir persönlich sagt und nicht über die Medien, aber selbst dann setzen wir uns mit manchen Dingen auseinander, greifen sie auf und prüfen sie selbstkritisch. Natürlich sind wir nicht frei Selbstkritik. Ist dieser Weg richtig? Was und wo können wir noch verbessern? Wir alle sind nicht fehlerfrei. Das wissen die Spieler, das wissen die Trainer. Ich persönlich bin immer gesprächsbereit.

Frage: Am 14. November steigt in Amsterdam das Länderspiel gegen die Niederlande. Wie sehen Sie den Stellenwert?

Löw: Erst mal ist es wichtig, dass die Mannschaft - auch mit den Spielern, die verletzt waren - zum Abschluss des Jahres zusammenkommt und man über das abgelaufene Jahr und das kommende spricht. Man muss natürlich auch noch einmal das 4:4 analysieren. Es muss auch das Bestreben sein, in diesem Prestigeduell ein gutes Spiel zu absolvieren, so wie es gegen Irland und 60 Minuten gegen Schweden war.

22 October 2012
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Wednesday, 31 December 2014

Bundestrainer Joachim Löw: "Eine gute Basis für die Zukunft", 08.10.2006

8 October 2006

Nach dem 2:0 (1:0) der deutschen Nationalmannschaft im Testspiel in Rostock gegen Georgien stand Bundestrainer Joachim Löw Rede und Antwort.

Frage: Joachim Löw, wie beurteilen Sie das 2:0 gegen Georgien?

Joachim Löw: Es war ein unterhaltsames Spiel. Die vielen jungen Spieler haben beherzt und engagiert gespielt. Mit dem Ergebnis bin ich zufrieden. Aber wir haben vor allem in der ersten Hälfte doch einige Fehler gemacht. Wir müssen einige Dinge besprechen.

Frage: Was genau hat Ihnen nicht gefallen?

Löw: Wir wollten früh stören. Das hat nicht immer geklappt. Die Abstimmung hat gefehlt. Wir hatten Glück, dass die Null weiterhin Bestand hat.

Frage: Hat das Spiel als Test seinen Zweck erfüllt?

Löw: Das Spiel stand unter dem Aspekt Chance und Verantwortung. Es war eine Chance für die, die das erste Mal dabei waren und die, die bei der WM nicht so zum Zug gekommen waren. Die etablierten Spieler hatten wiederum eine besondere Verantwortung. Ballack, Schweinsteiger, aber auch Arne Friedrich haben mitgeholfen, die junge Mannschaft zu führen. Das hat gut geklappt.

Frage: Wie waren Sie mit Ihren Debütanten zufrieden?

Löw: Sie haben ein gutes Spiel gemacht. Piotr Trochowski war sehr gut, er hat vor allem am Anfang Akzente gesetzt. Clemens Fritz hat sich gesteigert, ist immer besser in die Zweikämpfe gekommen. Jan Schlaudraff hat angedeutet, was er kann. Alexander Madlung war etwas zu kurz im Spiel.

Frage: Wie bewerten Sie die Rote Karte gegen Lukas Podolski?

Löw: Das ist im Affekt passiert. Aber so etwas kann man nicht gutheißen. So etwas darf nicht passieren. Darüber werden wir intern sprechen. Zum Glück ist er in der EM-Qualifikation nicht gesperrt.

Frage: Ihre Bilanz als Bundestrainer ist nach wie vor makellos. Interessiert Sie die Statistik?

Löw: Das stimmt mich glücklich und zeigt, dass die Mannschaft in der Lage ist, nicht nur bei einem Turnier guten Fußball zu spielen, sondern auch unmittelbar danach Offensiv- und Spaßfußball zu zeigen. Das spricht auch für eine tolle Mannschaftsleistung und ist eine gute Basis für die Zukunft.

Frage: Was muss sich in der Slowakei ändern?

Löw: Da werden einige Spieler wie Klose, Schneider, Frings oder Lahm zurückkommen. Sie haben neue Energie getankt. Es ist jetzt wichtig, dass wir komplett trainieren. Es waren gegen Georgien schon viele Dinge gut. Wir haben versucht, nach vorne zu spielen. Aber defensiv müssen wir an der Abstimmung arbeiten.

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Wednesday, 1 October 2014

"Wir haben die richtige Balance refunden.", 13.10.2012

An interview from 13 October 2012

Die Nationalmannschaft des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) ist nach dem überzeugenden 6:1-Auswärtssieg in Dublin gegen Irland in der Qualifikationsgruppe C für die Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien weiterhin ohne Punktverlust. Bundestrainer Joachim Löw vermittelte nach dem Spiel seinen Eindruck vom Auftritt des Teams und bezog Stellung zu der Unruhe vor dem Spiel, zu Aushilfskapitän Bastian Schweinsteiger und dem kritisch beäugten Marcel Schmelzer.

Frage: Joachim Löw, wie bewerten Sie den beeindruckenden 6:1-Erfolg in Irland?

Joachim Löw: Die Mannschaft ist von Beginn an konzentriert zu Werke gegangen. Wir hatten eine gute Präsenz, eine gute Organisation, wir waren gut eingestellt auf die vielen langen Bälle, die die Iren spielen. Wir haben die richtige Balance gefunden zwischen einem temporeichen Spiel und einer enormen Ballsicherheit. Wir haben den Ball schnell laufen lassen, aber auch geduldig warten können bis sich eine Chance auftut. Das Ergebnis war auch in dieser Höhe in Ordnung.

Frage: Wie wichtig war der Sieg nach der jüngsten Kritik?

Löw: Es war ein wichtiger Sieg, weil wir in Irland schon sehr lange nicht mehr gewonnen haben. Die Mannschaft hat diese Präsenz, diese Ausstrahlung und diese Körpersprache auf den Platz gebracht und gezeigt, das Spiel unbedingt gewinnen zu wollen.

Frage: War das die richtige Antwort auf die Unruhe im Vorfeld des Spiels?

Löw: Wir waren in Österreich nicht in der Verfassung, da muss man mit einigen Themen leben und sie akzeptieren. Intern hat man nicht gespürt, dass diese Themen im Mittelpunkt stehen und Gesprächsstoff waren.

Frage: Wie sind Sie mit diesen Themen intern umgegangen?

Löw: Ich habe von der Mannschaft eingefordert, dass wir uns gut vorbereiten wollen, ein gute Leistung zeigen wollen und uns nicht ablenken lassen wollen von irgendwelchen Dingen, die von außen an uns rangetragen wurden. Man hat gespürt, dass wir wieder einen besseren Rhythmus haben, einzelne Spieler mehr Dynamik, mehr Tempo. Die Woche war sehr konzentriert.

Frage: Wie hat Ihnen die Rückkehr von Bastian Schweinsteiger gefallen?

Löw: Er war im Mittelfeld sehr wichtig, es war ein gutes Gefühl, er hat dem Spiel Struktur gegeben. Aber die ganze Achse war sehr stabil und hat defensiv gut zusammengehalten.

Frage: Sie hatten vor dem Spiel sehr kritisch über Marcel Schmelzer gesprochen. Hat er Ihre Erwartungen erfüllt?

Löw: Marcel hat gut gespielt, er hat absolut seine Aufgabe erfüllt. Ich bin da etwas falsch verstanden worden. Ich habe gesagt, dass wir ihm weiterhin vertrauen - und das zurecht. Er hat gute Fähigkeiten. Manchmal dauert es eben etwas länger, den Sprung international ganz nach oben zu schaffen und stabil zu sein. Ich habe auch noch mal mit ihm gesprochen. Das Spiel von ihm war gut wie von der gesamten Defensive.

Frage: Mit welchen Erwartungen gehen Sie in das Spiel gegen Schweden am Dienstag?

Löw: Die Schweden sind in der Lage, einen guten Kominationsfußball zu zeigen. Sie operieren nicht nur mit langen Bällen. Das gibt ein anderes Spiel. Aber wenn wir diese Präsenz, diese Organisation in der Defensive, diese Konsequenz, unser gewohntes Passspiel zeigen, werden wir wieder gute Chancen haben. Wenn wir das Spiel gewinnen können, wäre das ein guter Abschluss des Pflichtspieljahres.

13 October 2012
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Sunday, 20 April 2014

Joachim Löw: "Rekorde kommen und gehen, Titel bleiben", 31.10.2011

Gegen Belgien begann die EM-Qualifikation, gegen Belgien endete sie - jeweils standesgemäß mit einem Sieg. Und dazwischen? Acht weitere Erfolge, macht 30 Punkte aus zehn Spielen, Rekord. Das deutsche Team hat Historisches geleistet und seine Rolle als einer der Mitfavoriten für die EM 2012 in Polen und der Ukraine gefestigt.

Verantwortlich für diese Erfolge ist Joachim Löw. Im DFB.de-Gespräch der Woche mit Redakteur Steffen Lüdeke redet der Bundestrainer über die Entwicklung seiner Mannschaft, die nächsten Schritte im EM-Fahrplan und seine Definition von Erfolg.

DFB.de: Herr Löw, Gratulation zum Rekord. Zehn Siege, zehn Spiele, was bedeutet Ihnen diese Bestmarke?

Joachim Löw: Nichts. Natürlich ist es mir lieber, man verbindet meinen Namen mit Siegen als mit Niederlagen. Aber ob runde Geburtstage oder irgendwelche Jubiläen – ich habe zu solchen statistischen Daten keinen Bezug. Rein sportlich hat diese Rekordmarke natürlich trotzdem einen gewissen Stellenwert. Einmal haben wir uns damit bei unseren Gegnern im Blick auf die EURO 2012 sicher noch mehr Respekt verschafft. Und außerdem ist die Serie gut für das Selbstbewusstsein unserer Spieler.

DFB.de: Zehn Spiele in der EM-Qualifikation: In welchem dieser Spiele hat Ihnen Ihre Mannschaft am besten gefallen?

Löw: Das kann ich so nicht sagen. Wir haben insgesamt eine starke, ja souveräne EM-Qualifikation gespielt. Das Wichtigste war vielleicht, dass wir nach Südafrika so schnell den Schritt vom Turnierrhythmus, mit einem längeren gemeinsamen Aufenthalt, zum Qualifikationsrhythmus, mit sporadischen Treffen für einzelne Spiele, geschafft haben. Wichtig als Weichenstellung für den positiven Verlauf der EM-Qualifikation waren der gelungene Start in Brüssel und der überzeugende Erfolg gegen die Türkei in Berlin.

DFB.de: Wen haben Sie vor Beginn der Qualifikation als größte Konkurrenten gesehen?

Löw: Die Türkei, Belgien und Österreich. Von den Siegen gegen diese Teams hatte jeder etwas Besonderes. Auch beim Abschluss der Qualifikation hat mich meine Mannschaft beeindruckt. Ohne gewinnen zu müssen in Istanbul und zuletzt in Düsseldorf, die beiden Begegnungen hochkonzentriert anzugehen und insgesamt ungefährdet erfolgreich zu bestreiten, zeugt von Qualität. Ein starker Auftritt war außerdem der Sieg gegen Österreich in Gelsenkirchen, mit dem wir frühzeitig das EM-Ticket lösen konnten. In guter Erinnerung habe ich auch den Sieg in Wien und den anschließenden Erfolg in Baku gegen Aserbaidschan, als das Team nach einer langen Saison noch einmal die letzten Kräfte mobilisiert hat.

DFB.de: Gibt es einen oder mehrere Spieler in Ihrer Mannschaft, der Sie im Laufe der Qualifikation am meisten überrascht haben?

Löw: Entscheidend ist, dass wir uns nach der positiven WM 2010 als Team weiterentwickelt haben. Spielerisch, kämpferisch, taktisch. Ein wesentlicher Aspekt in den vergangenen Monaten war, dass wir erneut junge Spieler eingebaut und damit den positiven Konkurrenzkampf nochmals erhöht haben. Wer Großes erreichen will, muss alle Positionen doppelt mit starken Leuten besetzen können. Und wir können das.

DFB.de: Sie haben kürzlich erklärt, dass es praktisch keine Stammspieler mehr gebe. Von diesem Begriff im herkömmlichen Sinne solle man sich verabschieden, mit elf Stammspielern könne man heutzutage angesichts der Belastung der Spieler keine Saison oder kein großes Turnier mehr bestreiten. Gerade die beiden letzten Länderspiele haben das wieder gezeigt, oder?

Löw: Erst war Mesut Özil verletzt und Toni Kroos krank, dann waren Bastian Schweinsteiger, Lukas Podolski und Jérôme Boateng angeschlagen. Oder im Sturm: Gegen Österreich in Gelsenkirchen fehlte Mario Gomez, dann zweimal Miro Klose. Wo früher geklagt wurde, dass wir keine Alternativen haben, können wir heute schnell reagieren und variieren.

DFB.de: Ihre Beispiele zielen auf Mittelfeld und Angriff. Gilt dies genauso für die Abwehr?

Löw: Ja. In allen Mannschaftsteilen ist es wichtig für mich, Variationsmöglichkeiten zu haben. Ungeachtet dessen, gibt es bei uns selbstverständlich Führungsspieler, die bei ihren Kollegen durch die Art und Weise ihres Auftretens hohen Respekt genießen. Allen voran Kapitän Philipp Lahm und sein Stellvertreter Bastian Schweinsteiger, aber auch Miro Klose und Per Mertesacker. Erfreulich ist, dass auch hier weitere Ansprechpartner für die Jüngeren nachrücken. Manuel Neuer als unsere Nummer eins, Mesut Özil und Sami Khedira oder Mario Gomez sind ebenso wie Lukas Podolski mittlerweile ebenfalls wichtige Ansprechpartner für Talente und Kräfte wie Mario Götze oder André Schürrle.

DFB.de: Sie haben gesagt, dass Sie überrascht waren, dass die Abstände in der deutschen EM-Qualifikationsgruppe so groß waren. Waren Sie auch überrascht, wie gut Ihr Team ist? Oder darüber, welche Schwierigkeiten die anderen Mannschaften hatten, ihr Potenzial zu zeigen?

Löw: Wir haben davon profitiert, dass sich unsere Gegner gegenseitig die Punkte abgenommen haben. Zudem haben wir in jedem Spiel so viel geleistet, dass wir verdient als Sieger vom Platz gegangen sind. Die Mischung und Einstellung in unserem Team stimmen einfach. Ich freue mich, wenn ich von den Spielern höre, dass sie sehr gerne bei uns sind und dass ihnen die Tage bei der Nationalmannschaft immer viel Spaß machen.

DFB.de: Welche Nation hat Sie innerhalb der EM-Qualifikation am meisten überrascht?

Löw: Große Überraschungen sind ausgeblieben. Von den etablierten Fußballnationen haben sich alle durchgesetzt. Überraschend ist für mich lediglich, dass Portugal in die Play-off-Spiele muss. Ansonsten hat die EM-Qualifikation bestätigt, dass Spanien, die Niederlande und wir am konstantesten auf hohem Niveau spielen.

DFB.de: Können Sie sich überhaupt noch erinnern, wann Sie das letzte Mal so richtig enttäuscht von Ihrer Mannschaft waren?

Löw: Es gibt in den Spielen immer wieder Situationen oder Phasen, mit denen ich nicht zufrieden bin. Dann kann ich am Spielfeldrand durchaus auch emotional werden. Das war auch in Istanbul und Düsseldorf oder zuvor in Gelsenkirchen so. Aber im Fußball passieren Fehler, das gehört dazu. Wir analysieren diese Situationen und sprechen sie klar an, damit die Mannschaft aus ihren Fehlern lernt. Aber noch mal: Die EM-Qualifikation ist super gelaufen, und alle im Kader haben bewiesen, dass sie gewillt sind, sich weiterzuentwickeln und ständig an sich zu arbeiten. Für mich als Trainer ist diese Konstellation ideal.

DFB.de: Das deutsche Team ist für Millionen Fans und viele Experten der erklärte Titelfavorit. Wie gehen Sie mit diesem Druck um, und was würde Ihnen der Titel bei der EURO persönlich bedeuten?

Löw: Unendlich viel. Rekorde kommen und gehen, Titel bleiben. Ist doch klar, dass wir damit in die Geschichtsbücher eingehen würden. Doch soweit sind wir noch lange nicht. Schon nach den Siegen gegen Brasilien und Österreich habe ich mehrfach darauf hingewiesen, dass Selbstzufriedenheit oder Überheblichkeit nicht angebracht sind. Sicher sind Spanien, die Niederlande und wir die Favoriten. Doch ich habe es nach dem Belgien-Spiel ja deutlich gesagt: Ich möchte jetzt nicht nur auf den Welt-und Europameister oder den Vizeweltmeister schauen, auch andere etablierte Fußballnationen wie England, Frankreich und Italien gehören zum Kandidatenkreis. Ein Turnier ist nie ein Selbstläufer. Es gibt viele Unwägbarkeiten: Eine Standardsituation oder eine umstrittene Schiedsrichterentscheidung – und du bist ausgeschieden. Trotzdem bleibt unser großer Traum, am 1. Juli 2012 nach dem Finale in Kiew den EM-Pokal in Händen zu halten.

DFB.de: Welchen Stellenwert hätte dies für Sie im Vergleich zu einem WM-Titel?

Löw: Eine Europameisterschaft ist in vielen Bereichen schwieriger als eine Weltmeisterschaft. Von den Top 12 der UEFA-Rangliste haben sich zehn für die Endrunde qualifiziert, und die beiden restlichen können über die Play-offs noch das Ticket lösen. Außerdem gibt es bei einer EM mit 16 Teams, die sich alle von ihrer Leistungsstärke her nicht so riesig unterscheiden, keine Gelegenheit zum Einspielen – es geht vom ersten Spiel an um alles. Außerdem ist die WM jetzt nicht das Thema, wir konzentrieren uns voll auf auf die EURO 2012 und darauf, dass Deutschland nach 16 Jahren wieder einen Titel gewinnt.

DFB.de: Mit Oliver Bierhoff und Andreas Köpke gehören zwei Europameister von 1996 zu Ihrem Trainerteam. Was erzählen die beiden von der EM in England?

Löw: Nicht viel. Es bringt doch nichts, zurückzuschauen und in Nostalgie zu schwelgen. Hansi Flick, Andreas Köpke, Oliver Bierhoff und ich sind ein Team, das in der Gegenwart lebt und für die Zukunft arbeitet. So haben wir in den vergangenen Jahren einiges bewegt und erreicht. Aber es muss ständig weitergehen, unsere Ziele waren und sind klar definiert: Wir wollten eine Veränderung der Fußballkultur im deutschen Team. Das haben wir geschafft. Und mit attraktivem Fußball wollen wir nun den EM-Titel gewinnen.

DFB.de: Wie sehen die nächsten Schritte auf dem Weg dorthin aus?

Löw: Jetzt warten wir die EM-Auslosung am 2. Dezember in Kiew ab, damit wir alles Weitere, unter anderem auch die Verpflichtung der letzten beiden Länderspielgegner, im Detail planen können. Wichtig ist, dass Oliver Bierhoff und das Büro Nationalmannschaft bei der Buchung unserer EM-Vorbereitungsquartiere auf Sardinien und in Südfrankreich ganze Arbeit geleistet haben. So können wir uns optimal vorbereiten.

DFB.de: Wie viel Prozent am Erfolg eines Turniers macht eine gelungene Vorbereitung aus?

Löw: Es ist schwer, dies zu beziffern. Aber klar ist, dass nur eine gelungene Vorbereitung zum Titel führt. Eine unserer Stärken war immer, dass es uns gelungen ist, uns in den Wochen der EM-Vorbereitung noch einmal entscheidend zu steigern und die taktischen Feinheiten für das Turnier einzustudieren. Da müssen alle Spieler topfit sein. Wichtig ist ihr Leistungsstand im Mai 2012 und nicht, was sie im Herbst 2011 gebracht haben.

DFB.de: Wie schwer wird diesmal die Nominierung des EM-Kaders?

Löw: Das wird diesmal ganz einfach. Früher habe ich mir oft viele Gedanken gemacht, weil ich bei einigen Positionen nicht vollends überzeugt war. Für die EM 2012 haben wir dieses Problem nicht. Wir haben einen großen Kreis von etwa 30 Spielern, die unsere Ansprüche und Vorstellungen erfüllen. Deshalb wird es einige Härtefälle geben. Und mir fällt es dann auch schwer, diesen Spielern die schlechten Nachrichten zu überbringen.

DFB.de: Aber um die Qualität in Ihrem Kader machen Sie sich keine Sorgen?

Löw: Nein, das Reservoir an guten Fußballern ist groß. Und vielleicht kommen bis zur EM sogar noch neue Spieler hinzu. Wir werden in den kommenden Wochen und Monaten die Bundesliga und die Champions League weiterhin intensiv beobachten. Insbesondere für die jungen Spieler von Meister Dortmund sind die Auftritte in der Königsklasse eine gute Chance, weiter internationale Erfahrung zu sammeln und sich zu profilieren.

DFB.de: Für die Nationalmannschaft geht es im November weiter mit den Länderspielen gegen die Ukraine und die Niederlande. Aus welchen Gründen wurden gerade diese Gegner ausgesucht? Und was erwarten Sie in diesen Partien von Ihrer Mannschaft?

Löw: Wir wollen ein erfolgreiches Jahr positiv abschließen. Ebenso wie das Aufeinandertreffen mit Frankreich im Februar 2012 in Bremen sind diese Begegnungen Test-, aber keine Freundschaftsspiele. Dennoch werde ich sicher einigen jungen Spielern eine Chance geben. Es ist wichtig, dass wir nach unserem Spiel in Danzig gegen Polen auch einmal in Kiew zu Gast sind, um damit Erfahrungen im Lande beider Gastgeber gesammelt zu haben. Über die Aufeinandertreffen mit den Niederländern und den Franzosen muss man gar nicht viel sagen. Das sind zwei spielstarke Gegner und von jeher prestigeträchtige Nachbarschaftsduelle. Ich bin sicher, dass die Zuschauer ihren Stadionbesuch nicht bereuen und in Hamburg und Bremen zwei interessante Spiele erleben werden.

31 October 2014
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Tuesday, 11 March 2014

Joachim Löw: "Wir werden eine gute WM spielen", 04.03.2010

"Wir haben es gegen einen starken Gegner nicht geschafft, Druck aufzubauen und Chancen herauszuspielen", meinte Joachim Löw nach dem 0:1 gegen Argentinien. Dennoch ist sich der Bundestrainer sicher: "Wir werden eine gute WM spielen."

Frage: Joachim Löw, wie bewerten Sie den letzten Auftritt Ihrer Mannschaft vor der Nominierung des WM-Kaders?

Joachim Löw: Das Spiel war von Taktik geprägt. Unsere Defensivleistung war ordentlich. Wir haben nicht viel zugelassen. Wir haben es gegen einen starken Gegner aber nicht geschafft, Druck aufzubauen und Chancen herauszuspielen. Argentinien ist nie in Verlegenheit gekommen.

Frage: Warum konnte Ihr Team keinen Druck aufbauen?

Löw: Argentinien stand gut, war ballsicher und hat unser Spiel gut gestört. Uns ist es nicht gelungen, die Bälle in den Rücken der Abwehr zu spielen. Es gab keine Anspielstationen. Wir haben zu häufig quer gespielt, sind zu lange mit dem Ball gelaufen. Wir haben zu wenig Mut und Entschlossenheit gezeigt. Erst mit Cacau wurde es etwas lebendiger. Er hatte Zug zum Tor und Mut.

Frage: Welche Erkenntnisse können Sie aus so einem Spiel ziehen?

Löw: Natürlich gibt es Erkenntnisse. Die müssen wir in der Vorbereitung aufarbeiten. Wir müssen wieder mehr Druck entwickeln, mutiger spielen und den Gegner zu Fehlern zwingen. Wir haben gegen Argentinien ein paar Fehler zu viel gemacht. Das wird auf diesem Niveau brutal bestraft.

Frage: Wie hat Ihnen die Variante mit Bastian Schweinsteiger im zentralen defensiven Mittelfeld neben Michael Ballack gefallen?"

Löw: "Ich möchte im Mittelfeld ballsichere und fußballerisch gute Spieler. Sie können zusammenspielen, es fehlt nur die Detailarbeit. Das muss gut abgestimmt sein.

Frage: Es war die letzte Partie, bevor Sie das WM-Aufgebot benennen. Inwieweit steht Ihr Gerüst?

Löw: Das Gerüst steht. Es wird weitgehend aus den Spielern bestehen, die schon bei der EM und WM dabei waren. Bei Einigen kommt es nun darauf an, was sie in der Liga zeigen. Wenn Spieler bis Anfang Mai starke Leistungen zeigen, dann ist das sicher ein Vorteil.

Frage: "Sehen Sie noch viele Baustellen vor der WM?"

Löw: Natürlich gibt es noch die ein oder andere Baustelle in jedem Mannschaftsteil. Wir müssen in den vier Wochen vor der WM konsequent arbeiten, wir müssen die Detailabstimmung verbessern. Wir müssen unser mutiges und schnelles Spiel wiederfinden. In diesem Spiel konnten wir leider nicht unsere Leistung abrufen. Aber wir werden eine gute WM spielen.

Löw: Sie haben ihre Sache ordentlich gemacht. Man hat gesehen, dass sie Potenzial haben. Thomas Müller kann auf der rechten Seite dauerhaft eine Alternative werden.

Frage: Geben Sie Rene Adler eine Mitschuld am 0:1?

Löw: Rene Adler kam weit aus seinem Tor heraus. Das war richtig. Das haben die Argentinier klasse gemacht. Da kommt ein Pass, dann sind sie weg. Das hat drei Sekunden gedauert.

Frage: Sie haben Lukas Podolski und Miroslav Klose von Beginn an aufgeboten. Könnte dies mit Blick auf die WM nicht ein Problem geben?

Löw: Es ist vor der WM wichtig, dass sie sehr intensiv trainieren, wenn sie, wie im Fall von Miro, nicht regelmäßig spielen. Sie müssen jede Möglichkeit nutzen. Aber ich bin nach wie vor von ihnen überzeugt. Sie spielen eine wichtige Rolle. Wir werden alles tun, damit sie bei der WM in guter Form sind.

4 March 2010
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Monday, 24 February 2014

Joachim Löw: "Ich habe eine klare Dominanz gesehen, 12.11.2011

Nach dem turbulenten 3:3 (1:3) in der Ukraine war Bundestrainer Joachim Löw insgesamt zufrieden. Seine Mannschaft habe zwar Fehler gemacht, aber dennoch eine klare Dominanz gezeigt, sagte der Bundestrainer im Interview.

Frage: "Joachim Löw, wie bewerten Sie das turbulente 3:3 in der Ukraine?

Löw: Ich denke, wir haben ein Spiel gesehen, in dem sehr viel drin war. Viele Tore, viele Offensivaktionen. Es spricht für eine gute Moral unserer Mannschaft, dass wir das Spiel nach dem 1:3-Rückstand noch umgebogen haben. Natürlich haben wir Fehler gemacht, die zu Toren geführt haben. Dennoch habe ich eine klare Dominanz unserer Mannschaft gesehen. Ich wusste wirklich nicht, warum wir zur Halbzeit mit zwei Toren zurückgelegen haben.

Frage: Ihre Mannschaft hatte zunächst große Probleme mit der Umstellung des Systems mit einer Dreierabwehrkette...

Löw: "Insgesamt war ich sehr zufrieden, auch wenn ich einer der wenigen bin. Zwei der drei Tore sind nach Eckbällen für uns gefallen, da waren alle Abwehrspieler vorne. Das dritte Tor war ein Schuss aus 30 Metern in den Winkel. Da haben wir andere Fehler in der Zuordnung gemacht, das darf uns natürlich nicht passieren. Das hatte aber nichts mit der Dreierkette zu tun. Hummels, Badstuber und Boateng haben das in vielen Situationen sehr gut gemacht. Fehler sind passiert, aber nicht in der Dreierkette.

Frage: "Das Zauber-Duo Mesut Özil/Mario Götze kam auch nicht richtig zur Entfaltung. Wie haben Sie die Leistung der beiden gesehen?

Löw: "Man hat auf dem Platz schon gemerkt, dass wir dank Özil und Götze unheimlich ballsicher waren. Dass wir die Chancen rausgespielt haben, hat gezeigt, dass die beiden ein absoluter Gewinn für uns sind. Und da beide derzeit stark belastet sind, habe ich sie dann rausgenommen. Beide haben absolut zufriedenstellend gespielt.

Frage: "Können Sie sich vorstellen, auch gegen die Niederlande dieses System mit drei Abwehrspielern auszuprobieren?

Löw: "Wir haben ein Hauptsystem, das über viele Monate auch sehr gut funktioniert hat. Aber wir wollen uns weiterentwickeln und bei der EM unberechenbar und flexibel sein. Vor einigen Wochen wollte ich 4-4-2 spielen, aber durch die Verletzung von Miroslav Klose ist bei uns diese Idee gereift. Eine gute Mannschaft muss in der Lage sein, verschiedene Systeme zu spielen. Beim Spiel gegen Holland werden wir nicht mit Dreierkette spielen. Wir werden sehen, ob wir mit zwei Spitzen spielen können. Das hängt davon ab, ob Miroslav Klose am Sonntag wieder trainieren kann.

Frage: "Wie haben Sie das Debüt von Ron-Robert Zieler gesehen, der nach drei Gegentoren in der ersten Halbzeit nach der Pause das Remis rettete?

Löw: Ron-Robert Zieler war nach den drei Gegentoren zur Halbzeit sehr enttäuscht, weil er keinen Ball gehalten hatte. Als wir dann in der zweiten Halbzeit alles nach vorne geworfen haben, hat er zwei Tore verhindert. Das hat er klasse gemacht. Deshalb war das absolut zufriedenstellend.

Frage: Stärkster Feldspieler war Toni Kroos. Wie bewerten Sie seinen Auftritt in Kiew?

Löw: Toni Kroos war wirklich überragend, bei ihm sind alle Fäden zusammengelaufen. Er war stets anspielbar und hat die Mannschaft nach vorne mitgezogen.

12 November 2011
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Löw: "Ich finde es gut, wenn wir auf Schwierigkeiten stoßen", 07.09.2011

Das 2:2 im Länderspiel in Danzig gegen Gastgeber Polen lieferte Joachim Löw weitere wichtige Erkenntnisse auf dem Weg zur EURO 2012 in Polen und der Ukraine. Im Gespräch nach dem Spiel gab der Bundestrainer Einblick in seine Bilanz und die war insgesamt durchaus positiv.

Frage: Herr Löw, nach der Gala gegen Österreich tat sich Ihre Mannschaft gegen Polen äußerst schwer. Wie erklären Sie den enormen Leistungsunterschied innerhalb weniger Tage?

Joachim Löw: Es war gegen Polen für die Mannschaft nicht so einfach. Insgesamt gab es zur Startformation von Freitag sieben Veränderungen. Ich habe bewusst einige Veränderungen vorgenommen, was sich natürlich auf den Spielfluss ausgewirkt hat. Die Abwehr war auch neu formiert. Deshalb war der Spielfluss nicht so wie gegen Österreich, die Automatismen haben nicht so funktioniert.

Frage: Dennoch ist es doch Ihr Bestreben, dass alle Positionen doppelt und gleichwertig besetzt sind. Auch der zweite Anzug soll passen.

Löw: Zunächst einmal bin ich absolut dankbar für solche Spiele wie heute. Denn es war ein guter Test für uns, der uns in unseren Erkenntnissen weiterbringt. Ich bin auch dankbar, dass wir nicht alle Spiele so bestreiten wie gegen Österreich. Denn ich finde es gut, wenn wir wie gegen Polen auf Schwierigkeiten stoßen. Daraus kann unsere junge Mannschaft viel lernen. Dann werden wir auch darauf vorbereitet sein, wenn es bei einem Turnier mal welche gibt.

Frage: Was waren Ihre Erkenntnisse?

Löw: Man hat gesehen, dass Deutschland nach den zuletzt guten Ergebnissen wieder gejagt wird. Polen wurde einerseits enorm von seinen Fans unterstützt, zudem ist die Mannschaft sehr engagiert und teilweise auch sehr rustikal aufgetreten. Aber auch da müssen wir lernen, solche Widerstände zu brechen. Es ist aber klar, dass es nicht immer so glatt laufen kann wie gegen Österreich.

Frage: Was muss sich spielerisch konkret noch verbessern?

Löw: Das Spiel ohne Ball. Die, die nicht in Ballbesitz sind, müssen sich mehr am Spielaufbau beteiligen, das ist enorm wichtig. Denn dann kann man offensiv spielen und bekommt relativ wenig Konter. In manchen Spielen machen wir das noch nicht so gut, aber in vielen Spielen machen wir es gut. Wir machen noch einige kleinere Fehler, die den Unterschied ausmachen können. Daran müssen wir arbeiten.

Frage: Die Abwehr wirkte wie schon gegen Österreich nicht sattelfest. Ist die Defensive Ihre größte Baustelle auf dem Weg zur EM?

Löw: Das sehe ich nicht so. In der Qualifikation haben wir die wenigsten Gegentore überhaupt, was ja für unsere Abwehr spricht. Und die Gegentore gegen Polen laste ich nicht der Abwehr an, die Fehler sind woanders gemacht worden. Sicher haben unsere Innenverteidiger auch den einen oder anderen Fehler gemacht, aber grundsätzlich mache ich mir da keine Sorgen.

Frage: Steht Ihr grober EM-Kader schon fest, oder kann man noch mit einigen Überraschungen rechnen?

Löw: Ich sehe ich nicht viele Spieler, die wir nicht auf unserem Zettel haben. Es sind noch einige Junge da, die mir gefallen. Aber die müssen sich erst mal in der Bundesliga durchsetzen. Ansonsten haben wir alle auf dem Zettel, die schon mal dabei waren.

7 September 2011
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Thursday, 9 January 2014

Der Bundestrainer schreibt auf team.dfb.de, 10.08.2011

Liebe Zuschauer,

für unsere Nationalmannschaft beginnt die neue Saison gleich mit einem äußerst interessanten Länderspiel. Der fünfmalige Weltmeister ist zu Gast im neuen Stuttgarter Stadion – der Start in die EM-Saison und die internationale Premiere der modernisierten Mercedes-Benz Arena können eigentlich nicht attraktiver sein.

Natürlich freuen wir uns alle sehr auf diese Begegnung. Die Brasilianer sind von jeher der Inbegriff der Spielkultur, selbst wenn ihr letzter WM-Titelgewinn nunmehr schon neun Jahre zurückliegt. Ich erinnere mich noch sehr gut an diesen Abend, als die damals von Teamchef Rudi Völler betreute DFB-Auswahl in Yokohama nach einer starken Leistung unglücklich0:2 verlor. Danach sind die Brasilianer bei der WM 2006 und 2010 jeweils im Viertelfinale ausgeschieden, aber an ihrem guten Ruf in der Fußball-Welt hat das nichts geändert.

Deshalb wird unser Team sicher mit großem Ehrgeiz in die Partie gehen. Es ist zugleich der letzte Test vor dem EM-Qualifikationsspiel gegen Österreich am 2.September in Gelsenkirchen, wo wir mit einem Sieg die letzten fehlenden Punkte holen wollen, um das Ticket für das Turnier im kommenden Sommer in Polen und der Ukraine zu sichern.

Ob Trainer, Manager oder Spieler – alle schauen bei uns optimistisch den kommenden Monaten entgegen. Die positive Entwicklung der Mannschaft ist unverkennbar, doch das wird uns nicht zur Überheblichkeit verleiten. Wir wollen unseren Weg konsequent weitergehen, ohne uns selbst zu überschätzen, und wissen, dass wir beiden Aufeinandertreffen mit den Topteams nur dann eine Chance haben, wenn wir unsere optimale Leistung abrufen. Ob es gegen Welt- und Europameister Spanien geht, der im internationalen Fußball derzeit das Maß aller Dinge ist, oder eben heute gegen Brasilien.

Das große Saisonziel ist klar: Wir wollen attraktiven Fußball spielen und erstmals seit 1996 bei der EM wieder einen Titel gewinnen. Das ist unser Anspruch und sicher auch die Erwartung unserer Fans, jedoch wahrlich kein Selbstläufer. Denn wie bei jedem Turnier gibt es etwa ein halbes Dutzend Mannschaften, die den Favoritenkreis bilden, von denen jeder am Ende auf dem Siegertreppchen stehen kann.

Vor uns liegen daher ereignisreiche und spannende Wochen mit viel Arbeit, um dann in Polen und der Ukraine den spektakulären Coup realisieren zu können.

Herzlichst

Joachim Löw

10 August 2011
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Löw: "Konkurrenzkampf ist noch nicht vorbei", 30.05.2012

Seit acht Jahren arbeitet Joachim Löw mittlerweile für den DFB. Er hat drei große Turniere miterlebt, das erste als Assistent von Jürgen Klinsmann, zwei davon in Verantwortung als Bundestrainer, zwei dritte und ein zweiter Platz stehen in seiner Bilanz. Bei der EM in Polen und der Ukraine will sich das Team nun den Traum vom ersten Titelgewinn erfüllen.

Mit dem Spiel am Donnerstag (ab 20.30 Uhr, live in der ARD) gegen Israel gehen die Trainingslager zu Ende, nach Stationen auf Sardinien und in Südfrankreich kehrt die DFB-Auswahl nach Deutschland zurück. Im DFB.de-Interview mit Redakteur Steffen Lüdeke zieht Löw eine Bilanz der Vorbereitung und spricht über die Entwicklung der Mannschaft seit der WM 2010.

DFB.de: Herr Löw, wie fällt Ihr Fazit nach den beiden Trainingslagern auf Sardinien und in Südfrankreich aus?

Joachim Löw: Wir haben die Zeit optimal genutzt. Sowohl auf Sardinien als auch in Südfrankreich haben wir unter perfekten Bedingungen intensiv arbeiten können. Wir wussten vorher, dass wir die Mannschaft nicht die gesamte Zeit beisammen haben würden. Darauf haben wir uns eingestellt und in der Trainingssteuerung entsprechend reagiert. Es hatte sogar Vorteile, dass die Gruppe zu Beginn recht klein war. Für die Weiterentwicklung einzelner Spieler war es gut, dass wir uns ganz gezielt und individuell um sie kümmern konnten. Insgesamt bin ich sehr zufrieden. Die Mannschaft hat sich vorbildlich verhalten, alle waren sehr professionell. Wir haben geschafft, was wir schaffen wollten: Wir haben den Grundstein für die Europameisterschaft in Polen und der Ukraine gelegt.

DFB.de: Wenn Sie die aktuelle Vorbereitung mit der aus dem Jahr 2010 vor der WM in Südafrika vergleichen – welche Gemein samkeiten erkennen Sie, welche Unterschiede gibt es?

Löw: Es gab durchaus neue Dinge, die wir dieses Mal haben einfließen lassen. Neue Übungen, neue Reize, neue Methoden. Und wir haben neue Spieler dabei. Rein fußballerisch gesehen, von der Taktik her, geht es in der Trainingsarbeit nur noch um Nuancen. Wir haben 2010 an allen Bereichen unseres Spiels gearbeitet, wir haben jetzt an unserem Spiel gearbeitet. Schnelles Umschalten, gute Organisation, defensiv und offensiv. Die Themen sind gleich, nur das Niveau ist noch einmal anders, höher.

DFB.de: Die Trainingslager sind vorbei, wie werden die Tage in Polen im Team-Basecamp in der Nähe von Danzig vor dem Spiel gegen Portugal genutzt?

Löw: Es wird wichtig sein, dass wir in der Woche vor dem Spiel gegen Portugal in allen und zwischen den Mannschaftsteilen noch einmal an der Feinabstimmung arbeiten. Das muss noch besser werden, noch perfekter sozusagen. Aber im Vergleich zur WM in Südafrika beziehungsweise dem Vorfeld des Turniers haben wir mittlerweile eine größere spielerische Sicherheit. Wenn wir die Leistung abrufen, die wir in den vergangenen zwei Jahren oft gezeigt haben, dann sind wir sehr, sehr gefährlich.

DFB.de: Gab es auch in dieser Vorbereitung, ähnlich wie im Jahr 2010, Augenblicke im Training, in denen Sie sich mit Ihrem Assistenten Hansi Flick angeschaut und gedacht haben: „Das könnte richtig gut werden“?

Löw: 2010 haben wir uns über die immense Steigerung im Vergleich zur EM 2008 gewundert. Wir waren vom Tempo und von der Qualität sehr angetan, es gab einige Augen blicke, die beeindruckend waren. Heute gibt es diese Momente auch, sie sind aber individueller. Wir haben hier junge Spieler dabei, die zu Aktionen in der Lage sind, die uns absolut begeistern. In puncto Tempo, in puncto Selbst bewusstsein, in puncto Selbstverständlichkeit. Es ist erstaunlich, welche spielerische Intelligenz unsere jungen Spieler haben. Es erfreut uns immer wieder, dies zu sehen. Es gab einige Trainingseinheiten, in denen das Niveau extrem hoch war.

DFB.de: Sie haben die Spieler des FC Bayern jetzt ein paar Tage beobachten können. Ist die Niederlage im Finale der Champions League gegen den FC Chelsea vollständig aus den Köpfen?

Löw: Ja. Ihnen haben die paar Tage Abstand sehr gut getan. Die Spieler haben neue Kraft gefunden, neue Motivation. Das neue Ziel hat sich in ihren Köpfen festgesetzt und alle negativen Gedanken überlagert. Sie wollen die Saison unbedingt positiv abschließen, sie wollen diesen großen Erfolg. Ich bin mir sicher, dass sie alles für den Titel tun werden. Ich kenne Bastian Schweinsteiger und Philipp Lahm jetzt schon seit einigen Jahren. Ich weiß, wie professionell und erfolgsbezogen sie sind. Sie sind in der Lage, den Schalter wieder umzulegen. Alle Bayern-Spieler können das.

DFB.de: Am Donnerstagabend spielt Ihre Mannschaft gegen Israel. Wie wichtig ist es, dass das Team mit einem positiven Erlebnis die Reise zum Turnier antritt?

Löw: Vor der WM 2010 haben wir in Frankfurt gegen Bosnien- Herzegowina 3:1 gewonnen. Wir haben damals gut gespielt, waren vor allem in der zweiten Halbzeit sehr stark. Uns hat dieses Spiel für die letzte Woche vor dem Turnierstart noch einmal Selbstvertrauen gegeben, das uns zusätzlich beflügelt hat. Dies erwarte ich mir auch von dem Spiel gegen Israel, die Mannschaft soll sich selbst das Signal geben, dass wir startbereit sind. Außerdem wollen wir uns mit einer guten Leistung aus Deutschland und von unseren tollen Fans verabschieden.

DFB.de: Ist das Spiel auch wichtig, um noch einmal taktische Dinge auszuprobieren. Oder um neue Erkenntnisse bezüglich personeller Entscheidungen zu gewinnen?

Löw: Schon. Für uns geht es in jedem Spiel darum, an den Feinheiten zu arbeiten und die Abstimmung zu verbessern. Es kann auch sein, dass ich im Laufe des Spiels noch einmal einige Spieler einwechsle und teste. Der Konkurrenzkampf ist noch nicht vorbei.

30 May 2012
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