Tuesday, 26 May 2015

Das aktuelle Interview mit Joachim Löw zum Vorläufigen em Kader, 16.05.2008

Unmittelbar nach der Bekanntgabe des vorläufigen EM-Kaders hat Bundestrainer Joachim Löw die Antworten der zahlreichen Journalisten beantwortet. Im aktuellen Interview spricht Löw über den Kader und die Neulinge im Team.

Frage:u Joachim Löw, hat Ihnen die Auswahl des Kaders für die Europameisterschaft schlaflose Nächte bereitet?

Joachim Löw: Ich habe nicht unruhig geschlafen, aber natürlich haben wir uns sehr viele Gedanken gemacht. Wir haben im Trainerstab in den vergangenen zwei Jahren ein Drehbuch geschrieben, es hat viele Diskussionen gegeben. Wir haben uns sehr intensiv und akribisch damit beschäftigt. Wir sind von diesem Kader voll überzeugt.

Frage: Wie schwer ist es Ihnen gefallen, Spieler wie Timo Hildebrand zu informieren, dass ihr Traum von der EM geplatzt ist?

Löw: Absagen gehören dazu. Das ist nicht einfach. Ich wünsche den Spielern die Kraft, um gut damit umzugehen. Wir wissen, dass diese Entscheidung allen an die Nieren geht und alle schmerzlich enttäuscht sind, auch Timo.

Frage: Bedeutet die Entscheidung für Robert Enke und Rene Adler, dass die Nationalmannschafts-Karriere von Timo Hildebrand beendet ist?

Löw: Was dies für die Zukunft bedeutet, möchte ich offen lassen. Aber nach der EM hat jeder seine Perspektiven.

Frage: Was hat den Ausschlag für 26 Spieler gegeben?

Löw: Wir haben darüber auch intern diskutiert, aber wir wollen alle Ressourcen ausschöpfen, wir wollen den Konkurrenzkampf. Wir haben jetzt den Luxus, die Spieler über einen längeren Zeitraum zu beobachten. Da wollen wir alle Möglichkeiten nutzen, um den ein oder anderen noch einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Frage: Dazu gehört sicher auch Marko Marin, den Sie überraschend berufen haben. Was hat den Ausschlag für den jungen Gladbacher gegeben, war auch der Ausfall von Bernd Schneider entscheidend?

Löw: Mit dem Ausfall von Bernd hat das weniger zu tun. Wir haben ihn eine ganze Weile beobachtet, und er hat uns überzeugt. Er hat herausragende Qualitäten in Eins-gegen-Eins-Situationen. Solche Spielertypen gibt es nicht allzu viele. Sicher ist es für ihn ein Sprung ins kalte Wasser. Er ist noch jung und muss noch lernen. Aber er hat etwas Besonderes. Ich hoffe, dass er die Frechheit auf dem Platz auch bei uns beibehält.

Frage: Haben Sie schon die drei Streichkandidaten im Kopf?

Löw: Sicher weiß der Großteil, dass er dabei ist, wenn die Vorbereitung vernünftig läuft. Es gibt auch bestimmte Gedankenspiele, aber ich habe noch keine Spieler im Kopf, die wir wieder nach Hause schicken. Wir haben noch viele Einheiten, um das zu entscheiden.

Frage: Befürchten Sie durch die Streichungen nicht eine gewisse Unruhe?

Löw: Nein. Am 28. Mai endet dieses Casting. Die Spieler wissen dann, dass es nicht an ihrer Qualität gelegen hat. Sie werden damit umgehen können. Sie müssen mit diesem Druck leben.

16 May 2008
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Löw: "Eine Millimeter-Entscheidung", 28.05.2008

Nach der Bekanntgabe des endgültigen Kaders der Nationalmannschaft für die EURO 2008 in Österreich und der Schweiz (7. - 29. Juni) stellte sich Bundestrainer Joachim Löw zum aktuellen Gespräch:

Frage: Joachim Löw, was hat den Ausschlag gegeben, Jermaine Jones, Patrick Helmes und Marko Marin aus dem EM-Kader zu streichen?

Joachim Löw: Die Entscheidung ist unserem Trainerteam sehr schwer gefallen. Es war eine Millimeter-Entscheidung, denn jeder der drei Spieler hätte es verdient gehabt, dem EM-Kader anzugehören. Dies ist keine Entscheidung gegen ihre Qualität, sie haben in dem Trainingslager auf Mallorca einen hervorragenden Eindruck hinterlassen.

Frage: Haben die drei Spieler eine Zukunft im DFB-Team?

Löw: Patrick Helmes, Jermaine Jones und Marko Marin haben gute Perspektiven, nach der EM wieder im Kreis der Nationalmannschaft dabei zu sein und eine gute Rolle zu spielen.

Frage: Wie ordnen Sie die Leistung der Mannschaft beim 2:2 gegen Weißrussland ein?

Löw: Sorgen nicht, aber zufrieden kann man natürlich nicht sein. Wir haben in den letzten 30 Minuten eine 2:0-Führung aus der Hand gegeben. Das ist schon enttäuschend.

Frage: Welche Gründe gab es für das 2:2 in der zweiten Halbzeit?

Löw: Es hat die Konzentration gefehlt. Wir haben in den vergangenen Tagen sehr, sehr hart trainiert. Man hat gespürt, dass einige einen Rucksack auf dem Rücken hatten und müde waren. Es hat die Frische gefehlt. Man hat auch gesehen, dass wir erst kurz mit dem Ball trainiert haben.

Frage: Wie haben Sie die Leistung von Torwart Jens Lehmann gesehen?

Löw: Man spürt, dass er Spiele braucht. Er wird am Samstag gegen Serbien auf jeden Fall im Tor stehen. Wir vertrauen ihm weiter.

Frage: Und wie steht es mit der Abwehr generell?

Löw: Wir haben die Organisation nicht so hinbekommen. Wir haben aber auch nach vorne viele Fehler gemacht. Wir müssen uns in allen Bereichen verbessern.

Frage: Was erwarten Sie für den EM-Auftakt am 8. Juni gegen Polen?

Löw: Wir werden in den nächsten Tagen intensiv mit dem Ball und an taktischen Dingen arbeiten. Wir müssen dies festigen. In zwölf Tagen werden aber alle besser in Form sein. Das kann ich versprechen.

28 May 2008
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Sunday, 24 May 2015

Joachim Löw: "Die Konzentration hat gefehlt", 27.05.2012

Beim 3:5 in der Schweiz hat Joachim Löw zwar Defizite ausgemacht, Sorgen macht sich der Bundestrainer aber keine. "Wir haben noch zwei Wochen Zeit. Ab Montag beginnt die Vorbereitung auf die EM", sagte Löw und sprach auch über die Rückkehr der Bayern-Spieler, Miroslav Klose und das Debüt von Marc-André ter Stegen.

Frage: Das Spiel gegen die Schweiz ist sicherlich nicht nach Ihren Vorstellungen verlaufen. Wie bewerten Sie den Auftritt der deutschen Mannschaft?

Joachim Löw: Das Ergebnis ist ärgerlich, das hätten wir nicht gedacht. Darüber kann man sich natürlich nicht freuen. Wir haben viel zu viele Fehler in unserem Spiel gemacht. Es gibt nun einiges aufzuarbeiten, denn es sind sehr viele Dinge passiert, die muss man noch mal in Ruhe vor sich ablaufen lassen und dann analysieren.

Frage: Haben Sie eine Erklärung, warum Ihre Mannschaft so untergegangen ist?

Löw: Das ist natürlich eine gefährliche Phase in der Vorbereitung, denn nach vielen intensiven Einheiten hat die Konzentration gefehlt. Das soll jetzt aber nicht als Ausrede gelten. Die Schweizer waren einfach frischer, beweglicher und konzentrierter. Wir wollten einige Dinge sehen, das hat aber nicht funktioniert.

Frage: Muss Ihnen nicht vor allem die Abwehrleistung kurz vor dem EM-Start Angst und Bange machen?

Löw: Unser Defensivverhalten war nicht gerade berauschend. Deshalb darf man aber nicht nur den Abwehrspielern einen Vorwurf machen. Grundsätzlich mache ich mir aber keine Sorgen, denn wir haben noch zwei Wochen Zeit. Die Abstimmung wird besser werden - ich habe keine Bedenken. Die Bayern steigen am Montag ins Training ein. Einige Spieler haben gefehlt, die unser Spiel prägen. Mit den Bayern-Spielern gehen wir zur Normalität über. Ab Montag beginnt die Vorbereitung auf die EM.

Frage: Wie gehen Sie denn mit den Bayern um, die erst am Samstagabend im Quartier eingetroffen sind?

Löw: Ich werde mit keinem Spieler über das verlorene Spiel (Champions-League-Finale, d. Red.) sprechen. Ich habe keine Bedenken, dass da etwas hängen bleibt.

Frage: Müssen sie Marc-André ter Stegen, der bei seiner Premiere zwischen den Pfosten der Nationalmannschaft fünf Gegentore kassierte, besonders trösten?

Löw: Er darf jetzt den Kopf nicht hängen lassen. Er hat eine Riesensaison gespielt, hat unglaubliche Anlagen. Bei den ersten zwei Toren wurde er ganz kalt erwischt, sieht dann in der ein oder anderen Situation unglücklich aus. Da kann man diskutieren, ob er einen Schritt weiter vorne stehen muss. Ich mache ihm aber keine Vorwürfe. Er ist ein großartiger Torhüter mit vielen guten Qualitäten. Er wird seinen Weg machen. Jetzt ist er ein bisschen geknickt, aber wir werden ihn wieder aufbauen. Ich bin überzeugt, dass er das wegstecken wird.

Frage: Wie ordnen Sie die Leistungen von Torjäger Miroslav Klose und Abwehrspieler Per Mertesacker ein?

Löw: Man hat gesehen, dass beiden noch die Wettkampfpraxis fehlt. Deshalb war das Spiel sehr wichtig für sie. Sie werden noch das eine oder andere Spiel brauchen, um wieder ihre Normalform zu erreichen. Vor allem bei Miro hat man gesehen, dass er die eine oder andere Torchance, bei der er normalerweise sehr sicher ist, ausgelassen hat.

Frage: Am Dienstag müssen Sie Ihr endgültiges EM-Aufgebot benennen, zuvor werden noch vier Spieler gestrichen. Wird das Spiel gegen die Schweiz Ihre Entscheidung beeinflussen?

Löw: Das war gegen die Schweiz kein individuelles Schaulaufen. Ich wollte sehen, was der Einzelne dem Team bringen kann. Einzelne Spieler aufgrund einer Situation, eines Spiels, eines Kurzeinsatzes zu bewerten, wäre völlig falsch. Für manche war das Trainingslager eine große Chance für die Zukunft. Ich kann mir gut vorstellen, dass das eine gute Schule war. Für manche wird es sicher hart, wenn sie nicht mit zur EM fahren. Aber es war gut, dass sie dabei waren.

27 May 2012
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Sunday, 15 March 2015

Löw: "Unser ehrgeiz ist ungebrochen", 28.10.2012

Bundestrainer Joachim Löw blickt trotz der jüngsten Kritik an der Nationalmannschaft und seiner Person mit großer Zuversicht auf die WM 2014 in Brasilien. "Wenn wir noch ein bisschen cleverer werden, sind wir eine unheimlich starke Mannschaft und haben 2014 alle Chancen, ganz klar", sagte Löw im ZDF im Aktuellen Sportstudio und betonte: "Unser Ehrgeiz ist ungebrochen, und wir setzen alles daran, das zu schaffen in Brasilien."

Löw kündigte Konsequenzen aus dem bitteren 4:4 nach 4:0-Führung gegen Schweden in der WM-Qualifikation an. "Das Spiel hat aufgedeckt, wo wir unsere Probleme haben. Wir sind noch nicht resistent gegen Unwägbarkeiten", sagte Löw: "Wir werden jetzt auch verstärkt unser defensives Potenzial abrufen müssen."

Der Mannschaft fehle "ein bisschen die Balance", sagte der Bundestrainer. "Defensiv stabil zu sein, ohne die Offensive zu vernachlässigen - das können nur die herausragenden Mannschaften. Wir müssen das schaffen, uns da weiter zu verbessern."

Löw räumte ein, dass das A-Team auf den Außenverteidiger-Positionen und im Sturmzentrum "ein paar Probleme" habe. Man habe sich deshalb mit DFB-Sportdirektor Robin Dutt und den Junioren-Trainern Gedanken gemacht, sagte Löw, "was wir in den U-Mannschaften machen können und auch mal in den Leistungszentren vorschlagen." Es liefen "schon Maßnahmen, diese Positionen für die Zukunft zu stärken".

An der grundsätzlich offensiven Ausrichtung der Nationalmannschaft soll sich aber auch in Zukunft nichts ändern. "Zu dieser Philosophie stehe ich, zu dieser Angriffsphilosophie gibt es keine Alternative. Die Kraft nach vorne wollen wir behalten", sagte Löw.

Der Bundestrainer hatte ursprünglich am vergangenen Samstag im Sportstudio auftreten sollen. Er musste seinen Besuch wegen eines grippalen Infekts aber zunächst absagen.

28 October 2012
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Joachim Löw: "Daraus lerne auch ich", 22.10.2012

Joachim Löw hat sich mit ein paar Tagen Abstand und nach auskurierter Grippe zum 4:4 in der WM-Qualifikation gegen Schweden geäußert. Im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (SID) nimmt der Bundestrainer zur Debatte um die Führungsspieler, zu eigenen Fehlern und zu seiner Motivation Stellung.

Frage: Joachim Löw, können Sie die Sorgen und Zweifel nach dem 4:4 gegen Schweden mit einigem Abstand nachempfinden?

Joachim Löw: Diese Debatten kann ich natürlich nachempfinden. Auch bei uns saß der Stachel tief. Wir konnten uns auch nicht vorstellen, dass wir nach so einem grandiosen Spiel einen 4:0-Vorsprung noch aus der Hand geben. Wir waren alle fassungslos.

Frage: Haben Sie die Enttäuschung schon einigermaßen verarbeitet?

Löw: Der Stachel sitzt jetzt nicht mehr so tief, weil wir natürlich darüber gesprochen haben und Lösungen finden müssen. Die Erkenntnis ist: Dieses unglaubliche Offensivpotenzial führt fast zwangsläufig auch zu Schwächen. Und diese Schwächen sind nicht erst jetzt, sondern schon im gesamten Jahr in Erscheinung getreten.

Frage: Sie haben nach dem EM-Aus von kleineren Korrekturen gesprochen, die nötig seien. Sehen Sie inzwischen Bedarf für größere Veränderungen?

Löw: Die aktuelle Situation hilft uns, die Weichen jetzt nochmals richtig zu stellen. Insofern hat es vielleicht auch etwas Positives. Das ist mir lieber, als wenn wir im Herbst 2013 feststellen müssen, dass wir in so eine negative Situation rutschen.

Frage: Was kann die Mannschaft aus so einem Spiel wie in Berlin mitnehmen?

Löw: Grundsätzlich wird die Mannschaft an so einer Situation auch wachsen. Lektionen, die auf dem Platz so eindringlich sind, daraus kann man auch wachsen. Das wird uns jetzt nicht mehr so passieren, da bin ich mir sicher. Bei der EM war es festzustellen, dass wir bis auf das Italien-Spiel eine gute Balance hatten. Gegen Österreich haben wir schon defensive Schwächen gehabt und mit Glück gewonnen. In diesem Maße wie in den letzten 30 Minuten gegen Schweden sind sie noch nicht zutage getreten.

Frage: Sehen Sie einen Rückschritt in der Entwicklung?

Löw: In einer Entwicklungsphase gibt es immer mal Rückschläge. Absolut. Wir haben ein unglaubliches Kreativ- und Offensivpotenzial wie vielleicht seit Jahrzehnten nicht mehr. Auf der einen Seite sollten wir darüber glücklich sein und es als große Chance begreifen, dass wir unsere gesamte Philosophie nach diesen Spielern ausrichten können. Aber diese Gegentore und Defensivschwächen kann auch ich nicht akzeptieren - und will ich auch nicht akzeptieren.

Frage: Was werden Sie ändern?

Löw: In den vergangenen beiden Jahre haben wir große Schritte gemacht im fußballerischen Bereich. Es hat zwar nicht zur Perfektion und zu einem Titel gereicht, aber man hat gesehen, dass wir fußballerisch mit den Besten mithalten können. Das halte ich schon für sehr positiv. Wichtig wird sein, dass wir an unserem Defensivverhalten weiter arbeiten.

Frage: Hat sich Ihr Vertrauen in die Spieler verändert?

Löw: Ich stehe zu dieser Generation mit all den Stärken und Schwächen, die wir im Moment haben. Das Potenzial ist hervorragend. Wie wir 60 Minuten gegen Schweden gespielt haben, das hat mich schon sehr zufrieden gestellt. Aber wir müssen natürlich auch an den Schwächen arbeiten, keine Frage. Es gab verletzungsbedingte Ausfälle von Spielern, die uns in so einem Spiel sicher gut getan hätten. Sami Khedira war verletzt, Mats Hummels, die beiden Benders. Es kommen junge Spieler nach, die gut sind, die sich gut entwickeln. Aber personell gesehen, haben wir alle Möglichkeiten und können uns das auch für die Zukunft ein Stück weit offen lassen.

Frage: Wie stellen Sie sich Veränderungen vor?

Löw: Da erwarte ich - da muss ich mir auch an die eigene Nase fassen -, dass wir an Lösungen arbeiten, dass wir nicht mehr in solche Situationen kommen. Vielleicht müssen wir einen Automatismus entwickeln: Was ist zu tun, wenn wir ein Spiel dominieren und dann einen Anschlusstreffer kassieren? Da haben wir in den letzten Spielen in der Tat gewisse Schwächen gezeigt. Wir haben den Gegner das eine oder andere Mal völlig unnötig wieder ins Spiel gebracht, obwohl wir so dominant waren.

Frage: Wie können solche Automatismen aussehen?

Löw: Wenn das Spiel zu kippen droht, dann müssen wir von außen, aber auch von innen Schlüsselpunkte hart einfordern: hinter den Ball, Grundordnung nicht verlassen, einzelne Aktionen wieder gewinnen, die Zweikämpfe wieder gewinnen - und das zum richtigen Zeitpunkt. Das müssen wir lernen.

Frage: Was hat im Rückblick gegen Schweden nicht funktioniert?

Löw: Unser Spiel ist aus den Fugen geraten, weil wir nur noch lange Bälle gespielt haben. Wir haben zum Torhüter zurückgespielt, wir hatten keine Ballsicherheit mehr. So hat es begonnen. Unsere Spieler haben sich im Gefühl des sicheren Sieges so eine zugespitzte Situation nicht mehr vorstellen können. Wir haben auch nicht geglaubt, dass sich Schweden noch in diesem Maße wehrt. Und dann haben wir zu untauglichen Mitteln gegriffen, um das Ruder noch herumzureißen. Wenn man aus so einer Euphorie kommt und eine sportliche Katastrophe verhindern will, dann muss man auch mal die einfachen Dinge wieder tun, die uns stark machen.

Frage: Auch an Sie gab es den Vorwurf, nicht reagiert zu haben. Können Sie das nachvollziehen?

Löw: Natürlich, absolut. Ich konnte auch nicht glauben, dass das Spiel kippt. Ich hätte in der Schlussphase mit einer Auswechslung ein Signal an die Mannschaft senden und noch etwas stoppen können. So etwas habe ich in 20 Jahren auch noch nicht erlebt. Daraus lerne auch ich. Mein Plan war zuerst, ballsichere Spieler zu bringen, um wieder die richtige spielerische Qualität zu haben und für Entlastung zu sorgen. Ich wollte die Schweden vom eigenen Tor weghalten. Aber das ist nicht aufgegangen. Also wäre es besser gewesen, den einen oder anderen Spieler für die Defensive einzuwechseln, der die Räume zumachen kann. Das ist natürlich auch der Vorwurf an mich.

Frage: Wie sehen Sie die Diskussionen um Ihre Führungsspieler?

Löw: Wir haben genügend Spieler, die eine Dominanz ausstrahlen. Das hat man in der Vergangenheit gesehen, das hat man auch jetzt wieder gesehen, in Irland und 60 Minuten gegen Schweden. Wir haben Spieler, die im Zweifelsfall auch gut dagegenhalten können. In der Situation haben sie das weniger umgesetzt. Das war mir schon bewusst. Daran gilt es, mit diesen Spielern auch zu arbeiten - dass wir genau dann, wenn die spielerische Ausrichtung nicht mehr so stimmt, auch ein positives, aggressives, dominantes Auftreten unter Druck zeigen. Man darf sich dann nicht so zurückziehen. Wir hätten diesem Druck standhalten können. Wir alle. Das war in diesen 30 Minuten nicht der Fall.

Frage: Nervt Sie diese Diskussion?

Löw: Diese Debatte über Führungsspieler und flache Hierarchien gibt es ja jetzt schon länger. Wenn man definiert, was einen Führungsspieler auszeichnet, dann wird man sehen, dass wir gute Führungsspieler haben. Da gehört ein großes Können und eine Akzeptanz bei den Mitspielern dazu. Das haben unsere Führungsspieler. Wenn man meint, dass uns derjenige fehlt, der dazwischenhaut, auf Freund und Feind einschlägt, um etwas zu bewegen - den haben wir nicht. Darüber bin ich aber auch nicht böse, weil solche Spielertypen auch mal viel kaputt machen können. Da ist dann der Schaden größer. Aber klar, wir müssen daran arbeiten, dass wir uns in bestimmten Situationen genau so verhalten wie in den ersten 60 Minuten. Aber ich vertraue diesen Spielern auch, weil sie dieses Können haben und auch die Akzeptanz bei den Mitspielern.

Frage: Werden Sie Ihren Führungsstil ändern?

Löw: Wir haben unsere Forderungen und Erwartungen immer deutlich genannt. Die Spieler wissen, was wir Trainer erwarten. Ich denke, den Weg kann man klar erkennen, sonst kann man auch nicht gegen Irland 90 und gegen Schweden 60 Minuten diesen Fußball spielen. Unser Umgang mit den Spielern ist von Respekt geprägt. Ich halte nichts von einem Ton wie auf dem Kasernenhof. Das entspricht auch nicht meiner Persönlichkeit. Ich will die Spieler mit einbeziehen. Wir setzen auf Kommunikation, natürlich geben aber wir die Richtung vor. Das haben wir die letzten Jahre auch kompromisslos gemacht, wenn es um die sportlichen Dinge ging. Daher bin ich von unserem Weg weiterhin überzeugt, den wir weiter gehen werden, ohne blind für Verbesserungen zu sein. Festzuhalten bleibt: Diese Mannschaft hat sich trotz allem hervorragend entwickelt.

Frage: Wie ist es um Ihre Kraft und Motivation bestellt?

Löw: Was die Kraft betrifft, ist es so, dass sich ein Trainer nach einem Turnier mit der Enttäuschung aus einer Niederlage und einer emotionalen Vollbelastung von zwei Monaten natürlich immer fragt: Was gibt es an neuen Impulsen, an neuen Ideen? Das ist eine unglaublich spannende Aufgabe mit diesen hervorragenden Spielern mit charakterlicher Klasse. Deswegen freue ich mich wahnsinnig, dass ich mit solchen Spielern arbeiten kann.

Frage: Nationalteammanager Oliver Bierhoff hat gemeint, dass sich auch die Teamführung hinterfragen müsse.

Löw: Das machen wir ja ständig. Unseren Entscheidungen gehen immer intensive Diskussionen voraus. Das hat nichts mit einem schlechten Spiel zu tun. Wir hinterfragen uns ständig, nach jedem Spiel. Wir machen Workshops, in denen wir ganz kontrovers diskutieren und uns hinterfragen. Mit manchen Dingen, die so dargestellt werden, bin ich nicht immer einverstanden. Dann heißt es: Ist der Bundestrainer beratungsresistent oder kann er keine Fehler zugeben? Wer mich kennt, weiß, dass ich zu meinen Fehlern stehe oder zu einer nicht aufgegangenen Strategie.

Frage: Wie gehen Sie mit den vielen Ratschlägen von außen um?

Löw: Selbst wenn die Vorschläge in eine völlig andere Richtung gehen, dann setzen wir uns auch damit intern auseinander und besprechen diese Ratschläge in unserem Trainerteam. Wir gehen nicht über alles hinweg. Ich finde es gut, wenn man es mir persönlich sagt und nicht über die Medien, aber selbst dann setzen wir uns mit manchen Dingen auseinander, greifen sie auf und prüfen sie selbstkritisch. Natürlich sind wir nicht frei Selbstkritik. Ist dieser Weg richtig? Was und wo können wir noch verbessern? Wir alle sind nicht fehlerfrei. Das wissen die Spieler, das wissen die Trainer. Ich persönlich bin immer gesprächsbereit.

Frage: Am 14. November steigt in Amsterdam das Länderspiel gegen die Niederlande. Wie sehen Sie den Stellenwert?

Löw: Erst mal ist es wichtig, dass die Mannschaft - auch mit den Spielern, die verletzt waren - zum Abschluss des Jahres zusammenkommt und man über das abgelaufene Jahr und das kommende spricht. Man muss natürlich auch noch einmal das 4:4 analysieren. Es muss auch das Bestreben sein, in diesem Prestigeduell ein gutes Spiel zu absolvieren, so wie es gegen Irland und 60 Minuten gegen Schweden war.

22 October 2012
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Wednesday, 31 December 2014

Bundestrainer Joachim Löw: "Eine gute Basis für die Zukunft", 08.10.2006

8 October 2006

Nach dem 2:0 (1:0) der deutschen Nationalmannschaft im Testspiel in Rostock gegen Georgien stand Bundestrainer Joachim Löw Rede und Antwort.

Frage: Joachim Löw, wie beurteilen Sie das 2:0 gegen Georgien?

Joachim Löw: Es war ein unterhaltsames Spiel. Die vielen jungen Spieler haben beherzt und engagiert gespielt. Mit dem Ergebnis bin ich zufrieden. Aber wir haben vor allem in der ersten Hälfte doch einige Fehler gemacht. Wir müssen einige Dinge besprechen.

Frage: Was genau hat Ihnen nicht gefallen?

Löw: Wir wollten früh stören. Das hat nicht immer geklappt. Die Abstimmung hat gefehlt. Wir hatten Glück, dass die Null weiterhin Bestand hat.

Frage: Hat das Spiel als Test seinen Zweck erfüllt?

Löw: Das Spiel stand unter dem Aspekt Chance und Verantwortung. Es war eine Chance für die, die das erste Mal dabei waren und die, die bei der WM nicht so zum Zug gekommen waren. Die etablierten Spieler hatten wiederum eine besondere Verantwortung. Ballack, Schweinsteiger, aber auch Arne Friedrich haben mitgeholfen, die junge Mannschaft zu führen. Das hat gut geklappt.

Frage: Wie waren Sie mit Ihren Debütanten zufrieden?

Löw: Sie haben ein gutes Spiel gemacht. Piotr Trochowski war sehr gut, er hat vor allem am Anfang Akzente gesetzt. Clemens Fritz hat sich gesteigert, ist immer besser in die Zweikämpfe gekommen. Jan Schlaudraff hat angedeutet, was er kann. Alexander Madlung war etwas zu kurz im Spiel.

Frage: Wie bewerten Sie die Rote Karte gegen Lukas Podolski?

Löw: Das ist im Affekt passiert. Aber so etwas kann man nicht gutheißen. So etwas darf nicht passieren. Darüber werden wir intern sprechen. Zum Glück ist er in der EM-Qualifikation nicht gesperrt.

Frage: Ihre Bilanz als Bundestrainer ist nach wie vor makellos. Interessiert Sie die Statistik?

Löw: Das stimmt mich glücklich und zeigt, dass die Mannschaft in der Lage ist, nicht nur bei einem Turnier guten Fußball zu spielen, sondern auch unmittelbar danach Offensiv- und Spaßfußball zu zeigen. Das spricht auch für eine tolle Mannschaftsleistung und ist eine gute Basis für die Zukunft.

Frage: Was muss sich in der Slowakei ändern?

Löw: Da werden einige Spieler wie Klose, Schneider, Frings oder Lahm zurückkommen. Sie haben neue Energie getankt. Es ist jetzt wichtig, dass wir komplett trainieren. Es waren gegen Georgien schon viele Dinge gut. Wir haben versucht, nach vorne zu spielen. Aber defensiv müssen wir an der Abstimmung arbeiten.

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Wednesday, 1 October 2014

"Wir haben die richtige Balance refunden.", 13.10.2012

An interview from 13 October 2012

Die Nationalmannschaft des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) ist nach dem überzeugenden 6:1-Auswärtssieg in Dublin gegen Irland in der Qualifikationsgruppe C für die Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien weiterhin ohne Punktverlust. Bundestrainer Joachim Löw vermittelte nach dem Spiel seinen Eindruck vom Auftritt des Teams und bezog Stellung zu der Unruhe vor dem Spiel, zu Aushilfskapitän Bastian Schweinsteiger und dem kritisch beäugten Marcel Schmelzer.

Frage: Joachim Löw, wie bewerten Sie den beeindruckenden 6:1-Erfolg in Irland?

Joachim Löw: Die Mannschaft ist von Beginn an konzentriert zu Werke gegangen. Wir hatten eine gute Präsenz, eine gute Organisation, wir waren gut eingestellt auf die vielen langen Bälle, die die Iren spielen. Wir haben die richtige Balance gefunden zwischen einem temporeichen Spiel und einer enormen Ballsicherheit. Wir haben den Ball schnell laufen lassen, aber auch geduldig warten können bis sich eine Chance auftut. Das Ergebnis war auch in dieser Höhe in Ordnung.

Frage: Wie wichtig war der Sieg nach der jüngsten Kritik?

Löw: Es war ein wichtiger Sieg, weil wir in Irland schon sehr lange nicht mehr gewonnen haben. Die Mannschaft hat diese Präsenz, diese Ausstrahlung und diese Körpersprache auf den Platz gebracht und gezeigt, das Spiel unbedingt gewinnen zu wollen.

Frage: War das die richtige Antwort auf die Unruhe im Vorfeld des Spiels?

Löw: Wir waren in Österreich nicht in der Verfassung, da muss man mit einigen Themen leben und sie akzeptieren. Intern hat man nicht gespürt, dass diese Themen im Mittelpunkt stehen und Gesprächsstoff waren.

Frage: Wie sind Sie mit diesen Themen intern umgegangen?

Löw: Ich habe von der Mannschaft eingefordert, dass wir uns gut vorbereiten wollen, ein gute Leistung zeigen wollen und uns nicht ablenken lassen wollen von irgendwelchen Dingen, die von außen an uns rangetragen wurden. Man hat gespürt, dass wir wieder einen besseren Rhythmus haben, einzelne Spieler mehr Dynamik, mehr Tempo. Die Woche war sehr konzentriert.

Frage: Wie hat Ihnen die Rückkehr von Bastian Schweinsteiger gefallen?

Löw: Er war im Mittelfeld sehr wichtig, es war ein gutes Gefühl, er hat dem Spiel Struktur gegeben. Aber die ganze Achse war sehr stabil und hat defensiv gut zusammengehalten.

Frage: Sie hatten vor dem Spiel sehr kritisch über Marcel Schmelzer gesprochen. Hat er Ihre Erwartungen erfüllt?

Löw: Marcel hat gut gespielt, er hat absolut seine Aufgabe erfüllt. Ich bin da etwas falsch verstanden worden. Ich habe gesagt, dass wir ihm weiterhin vertrauen - und das zurecht. Er hat gute Fähigkeiten. Manchmal dauert es eben etwas länger, den Sprung international ganz nach oben zu schaffen und stabil zu sein. Ich habe auch noch mal mit ihm gesprochen. Das Spiel von ihm war gut wie von der gesamten Defensive.

Frage: Mit welchen Erwartungen gehen Sie in das Spiel gegen Schweden am Dienstag?

Löw: Die Schweden sind in der Lage, einen guten Kominationsfußball zu zeigen. Sie operieren nicht nur mit langen Bällen. Das gibt ein anderes Spiel. Aber wenn wir diese Präsenz, diese Organisation in der Defensive, diese Konsequenz, unser gewohntes Passspiel zeigen, werden wir wieder gute Chancen haben. Wenn wir das Spiel gewinnen können, wäre das ein guter Abschluss des Pflichtspieljahres.

13 October 2012
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